Sparkurs in Großbritannien : "Oxford wird nicht mehr top sein"

Der Staatszuschuss für die Lehre soll um 80 Prozent zurückgefahren, Forschungsmittel sollen gestrichen werden: Die EU kritisiert die britischen Sparpläne – und will die Forschungspolitik vereinheitlichen.

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„Studierende und Arbeiter gegen Einschnitte“. Proteste in England.
„Studierende und Arbeiter gegen Einschnitte“. Proteste in England.Foto: dpa

Der Staat kürzt seine Zuschüsse für die Hochschulen drastisch – und dafür zahlen Studierende deutlich mehr Gebühren: So sollen in Großbritannien die Unis zu dem riesigen Sparpaket der Regierung beitragen. Details für den Unibereich werden in den nächsten Wochen noch ausgearbeitet. Jetzt kommt aus der Europäischen Kommission Kritik an diesen Vorschlägen. Wenn Großbritannien das umsetze, müsse man sich sorgen, dass Europa insgesamt in der Forschung gegenüber Asien und den USA zurückfalle, sagte Robert-Jan Smits, der Generaldirektor Forschung der EU-Kommission, dem Tagesspiegel.

Wie berichtet, schlägt eine Regierungskommission vor, dass britische Unis künftig unbegrenzt Studiengebühren nehmen können. Das bisherige Limit von 3300 Pfund soll fallen. Gleichzeitig würde der Staatszuschuss für die Lehre um 80 Prozent zurückgefahren, zudem sollen Forschungsmittel gestrichen werden. „Wenn diese Kürzungen zum Trend werden, gehören englische Universitäten wie Oxford und Cambridge bald nicht mehr zu den Top-Unis der Welt“, warnte Smits. Unverständlich seien auch Pläne der neuen Minderheitsregierung in seiner Heimat Holland, noch mehr bei der Wissenschaft zu sparen. Die Niederlande würden bereits jetzt weniger als der EU-Schnitt für Forschung und Entwicklung ausgeben, nämlich nur 1,67 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Der EU-Schnitt liegt bei 1,9 Prozent, eigentlich wollten die EU-Länder die Ausgaben bis zu diesem Jahr sogar auf drei Prozent erhöhen, was sie aber klar verfehlen. Langfristig halte die EU aber an diesem Ziel fest, sagte Smits. Es wäre ein kontraproduktives Zeichen, sich davon völlig zu verabschieden – zumal US-Präsident Barack Obama für sein Land dieselbe Vorgabe gemacht habe. Ein Staat wie Deutschland zeige zudem, dass es auch in Zeiten des Sparens anders gehe. Der Bund halte schließlich an seiner Erhöhung der Forschungsausgaben fest, Deutschland sei so EU-weit „einer der besten Schüler in der Klasse“.

Die Sparpläne bedeutender Mitgliedstaaten wie Großbritannien und Holland werden die EU-Kommission umso mehr schmerzen, als sie unlängst ein Strategiepapier vorstellte, in der die Union zu einem wissenschaftsfreundlichen Kurs verpflichtet werden soll. Forschungsausgaben sollen in den Etats aller Mitgliedstaaten Priorität haben. Bis 2020 soll die EU so zur „Innovationsunion“ werden. In Bereichen wie Energie, Gesundheit und Alternsforschung will die EU dann weltweit führend sein. Im Dezember beschäftigen sich die Regierungschefs mit dem Thema.

In der Forschungspolitik müssten die Kräfte gebündelt werden – wie auf dem europäischen Binnenmarkt, sagte Smits. Derzeit strebe die EU-Kommission ein einheitliches europäisches Patentrecht an. Zudem wird ein europäischer Pensionsfonds für Wissenschaftler geprüft. Damit sollen Professoren ihre Rentenansprüche besser von einem EU-Land zu einem anderen transferieren können.

Künftig müssten die Mitgliedstaaten Forschungsprogramme gemeinsam stemmen, sagte Smits. Ein Beispiel könne die Alzheimerforschung sein. Ein großes europäisches Programm sei sinnvoller als 27 kleinere nationale Einzelvorhaben. Das Pilotprojekt „Healthy Living“ schiebt die EU bereits an: Forscher wollen dabei untersuchen, wie ältere Menschen länger in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben können. Ein anderes Beispiel sind große Forschungsgeräte wie der Röntgenlaser XFEL, der ein besonders starkes Licht ausstrahlen soll und derzeit mit EU-Geld in Hamburg gebaut wird. Solche Projekte seien viel zu teuer, als dass einzelne Staaten sie alleine finanzieren könnten.

Insgesamt müssten die EU-Staaten ihre Forschungsförderung dahingehend verändern, dass sie mehr als bisher transnationale Projekte finanzieren, sagte Smits. Ob sich die Mitgliedsländer darauf wirklich in großem Stil einlassen, wird sich noch zeigen müssen.

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