SPD-Experte Rossmann über Elite-Unis : „Es geht nicht um Etiketten“

Die Unis sind wettbewerbsmüde, sagt SPD-Wissenschaftsexperte Ernst-Dieter Rossmann. Insofern stimmt er den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Zukunft der Exzellenzinitiative zu. Vieles andere aber sei zu kurz gesprungen.

von
Studierende vor der Universität Köln.
Nachdenken über die Exzellenz. Die Uni Köln ist einer der Exzellenzunis.Foto: Uni Köln

Herr Rossmann, der „Elitewettbewerb“, eine Idee der SPD-Führung, hat jahrelang die Universitäten mobilisiert und viel öffentliche Aufmerksamkeit auf die Hochschulen gelenkt. Jetzt empfiehlt der Wissenschaftsrat, erst in zehn oder 15 Jahren zu prüfen, ob es eine Neuauflage in modifizierter Form geben soll. Warum hat der Wettbewerb so an Attraktivität verloren?
Die Wissenschaftler und die Universitäten haben sich wirklich sehr angestrengt. Darum gibt es jetzt eine Wettbewerbsmüdigkeit und auch eine Müdigkeit, sich als Spitzenuni profilieren zu sollen. Die Universitäten wünschen sich eine Phase der Konsolidierung. Wir als SPD sind auch die letzten, die sich nur auf Wettbewerbe in der Wissenschaft kaprizieren, denn natürlich müssen wir zuerst auf die Verlässlichkeit der Basis achten. Im Übrigen geht der Wettbewerb ja weiter, denn die Hochschulen und Wissenschaftler werden sich weiter um Forschungs- und Förderprogramme etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewerben.

SPD Wissenschaftsexperte Rossmann.
Ernst Dieter Rossmann (62) ist seit 2009 bildungs- und forschungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Er sitzt seit...Foto: promo

Die wenigen siegreichen „Exzellenzunis“ wurden nicht nur mit viel Geld, sondern vor allem mit viel Prestige belohnt. Ist es nicht merkwürdig, wenn Bund und Länder die Unis erst zu Höchstleistungen anspornen und sie jetzt sang- und klanglos wieder dem Normalbetrieb überlassen?

Der Wissenschaftsrat hat ja erst mal nur Vorschläge gemacht, politisch ist noch nichts beschlossen. Aber sicher geht es bei den Universitäten nicht um Etiketten, sondern um die tatsächliche Leistungsfähigkeit, die auch unabhängig von der Förderung von Zukunftskonzepten an Exzellenzunis gehalten werden kann. Allen war von Anfang klar, dass diese Förderung nicht auf Dauer angelegt ist.

Ein offizielles Ziel des Wettbewerbs war es, einige wenige deutsche Universitäten international sichtbar zu machen und sie gar in die Weltspitze zu führen. Ist dieses Ziel näher gerückt?

rnationalen Vergleich sehr wohl bestehen und sind auch bei ausländischen Studierenden hochattraktiv. Und Wissenschaftler aus dem Ausland wissen auch, dass unser Harvard die Max-Planck-Gesellschaft ist.

Der Wissenschaftsrat hat gerade erst Empfehlungen für die deutsche Wissenschaft bis zum Jahr 2025 vorgelegt. Sie haben kritisiert, eine große Chance sei dabei vertan worden. Inwiefern?

Ich hätte gedacht, der Wissenschaftsrat würde einen umfassenderen Blick in die Zukunft wagen. Er hat aber zu wenig über sich selbst hinausgedacht. So vermissen wir die europäische und globale Dimension sowie den Aspekt der „Verwissenschaftlichung“ der Gesellschaft. Dies sind Fragen, die immer wichtiger werden. Deutschlands Beitrag zur globalen Wissenschaft würde besonders gut von der Helmholtz-Gemeinschaft geleistet werden können. Doch der Wissenschaftsrat hat die Gelegenheit nicht genutzt, Helmholtz nun eine klare Profilierung für sein Forschungsportfolio im Sinne von „Große Forschung für die großen Herausforderungen in der Welt“ und die Bereitstellung von internationalen Forschungsinfrastrukturen zu empfehlen. So bleibt es dabei, dass die Max-Planck-Gesellschaft klar auf Grundlagenforschung und die Fraunhofer-Gesellschaft klar auf wirtschaftsnahe Forschung profiliert sind. Für Helmholtz und die Leibniz-Gemeinschaft müsste hier noch nachgeschärft werden.

Welche Rolle sollte die Leibniz-Gemeinschaft einnehmen?

Die Leibniz-Gemeinschaft wäre auch wegen der regionalen Verankerung ihrer Institute ideal dafür geeignet, eine Brücke von der Wissenschaft zur Gesellschaft zu schlagen. Es wird immer wichtiger, Wissenschaft auch zu vermitteln, damit Menschen sich den Entwicklungen kritisch und partizipativ stellen können. Die Leibniz-Gemeinschaft sollte auch darin profiliert werden, im Sinne von Science Centern die Beratung von Gesellschaft und Politik zu ihrer Mission zu machen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar