Wissen : SPD will Elite neu definieren

Mehr Forschungsverbünde bei Exzellenzinitiative

Die SPD will bei einer Fortsetzung der Exzellenzinitiative offenbar den Status der Eliteuniversitäten schwächen. In dem gestern verabschiedeten Bildungsprogramm des Parteivorstandes heißt es, die SPD werde „den Schwerpunkt der Exzellenzinitiative II bei der Nachwuchsförderung (Graduiertenschulen) sowie der Förderung exzellenter Fachgebiete (Exzellenzcluster) setzen“. Die Förderung ganzer Universitäten wird dagegen in dem Papier nicht erwähnt. Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der SPD und Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, sagte auf Anfrage, die Idee der Forschungscluster sei „gut“ und müsse „ausgebaut“ werden. „Das bedeutet aber nicht, dass wir die Förderung ganzer Universitäten rigoros streichen wollen“, fügte Burchardt hinzu.

Bund und Länder müssen noch beschließen, ob und wie der Wettbewerb fortgesetzt wird. Es bestehe „keine Eile“, die Details auszuarbeiten, sagte Burchardt.

Mit einer Schwächung des Elitestatus würde sich die Bundes-SPD weiter von der ursprünglichen Wettbewerbsidee ihrer früheren Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn entfernen. Als Bulmahn das Konzept 2004 vorstellte, wollte sie zunächst nur einige wenige Hochschulen bundesweit zu Eliteuniversitäten ausbauen. Das stieß auf erbitterten Widerstand der Länder. In einem zähen Ringen einigte man sich auf einen Kompromiss, der drei Wettbewerbslinien vorsah. Um möglichst viele Hochschulen zu fördern, sollten Graduiertenschulen und Forschungscluster unterstützt werden. Darüber hinaus sollten bis zu zehn Unis für ein Zukunftskonzept als gesamte Institution gefördert werden.

In der ersten Auflage des Wettbewerbs wurden 39 Graduiertenschulen (etwa je eine Millionen im Jahr) und 37 Exzellenzcluster (etwa je 6,5 Millionen im Jahr) gefördert. Neun Universitäten erhielten für ihre Zukunftskonzepte den Elitestatus. Der brachte das meiste Geld (im Schnitt 12,5 Millionen Euro im Jahr) – und auch die größte öffentliche Aufmerksamkeit.

Die SPD fordert in ihrem neuen Programm die Fortführung des Wettbewerbs – „mit der Vorgabe, dass auch Länder/Regionen mit Nachholbedarf beim Aufbau von Spitzenwissenschaften unterstützt werden“. Die Unis im Osten und auch im Norden hatten in der ersten Runde schwach abgeschnitten. Burchardt sagte, es dürfe „keinen Automatismus“ geben, dass die bisher Erfolgreichen eine weitere Förderung erhalten. Auch Neuanträge müssten eine Chance haben. tiw

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