„Speise der Götter“ : Erbgut des Edelkakaos entziffert

Den Abschluss des Wissenschaftsjahres 2010 versüßt das Fachmagazin „Nature Genetics“ mit zwei Meldungen für Feinschmecker: Die Genome des Kakaobaumes und der Walderdbeere sind entziffert.

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Gelbe Götterfrucht. Auf Lateinisch heißt der Kakaobaum „Speise der Götter“. Foto: AFP
Gelbe Götterfrucht. Auf Lateinisch heißt der Kakaobaum „Speise der Götter“. Foto: AFPFoto: AFP

Die Forscher hoffen, dass das zu gesünderen Erdbeeren und schmackhafterer Schokolade führt.

Die Maya verehrten schon vor 3000 Jahren die Kakaobohne und der Botaniker Carl von Linné gab dem Baum, der die begehrten Früchte trägt, den Namen Theobroma, „Speise der Götter“. Doch von den 3,7 Millionen Tonnen, die laut Internationaler Kakao-Organisation jedes Jahr produziert werden, sind weniger als fünf Prozent Edelkakao. Der Grund: Kakaobäume wie der als besonders edel geltende Criollo sind anfälliger für Krankheiten. Die meisten Plantagen sind deshalb mit robusteren Varianten bepflanzt, in der Regel Kreuzungen verschiedener Pflanzen. Ihr Kakao aber gilt als weniger schmackhaft.

Nun hat ein internationales Forscherteam das Erbgut eines Criollobaumes aus Belize in Mittelamerika entschlüsselt. Die Wissenschaftler identifizierten fast 29 000 Gene im Erbgut des Edelkakaos. „Diese Sequenz wird helfen, die unterschiedlichen Eigenschaften von Kakaopflanzen besser zu verstehen und die genetische Verbesserung zu beschleunigen“, schreiben sie. Eines der Gene könnte auch der Schlüssel sein, um einen robusteren Criollobaum zu züchten.

Auch bei der Erdbeere geht es um die Abwehr von Krankheitserregern. Besonders die durch einen Pilz ausgelöste Verticillium-Welke befällt viele Arten. Nun haben Wissenschaftler das Erbgut der Walderdbeere (Fragaria vesca) entschlüsselt. Das ist zwar fast eineinhalb mal so groß wie das des Menschen und die wilde Erdbeere gehört auch nicht zu den Arten, die Bauern anbauen. „Aber weil Bauern Nutzpflanzen seit Jahrhunderten kreuzen, um den Geschmack oder den Nährwert zu erhöhen, haben diese Pflanzen meist ein sehr großes und kompliziertes Erbgut“, erklärt Dan Sargent, einer der beteiligten Forscher. „Das Erbgut der wilden Erdbeere ist verhältnismäßig klein, so das wir recht einfach Zugriff haben auf all diese nützlichen Gene.“

Die meisten der 35 000 Gene dürften auch in den Erdbeer-Arten erhalten sein, die wir heute vornehmlich essen, glauben die Wissenschaftler. Und nicht nur das. „Es war wichtig, das Erbgut der wilden Erdbeere zu sequenzieren, weil es nahe verwandt ist mit vielen Dingen, die wir essen“, sagt Sargent. So gehören Äpfel, Birnen und Pfirsiche, aber auch Rosen zu den nächsten Verwandten der Erdbeere. Kai Kupferschmidt

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