Spenden : Einsteins Schwindsucht

„Falling-Walls“-Tagung: Zöllners Spenden-Stiftung stört beim Einwerben von Spenden.

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In Berlin soll es eine zweite „Falling-Walls“-Konferenz für Wissenschaftler im Radialsystem geben, am 7. und 8. November. Im vergangenen Jahr hatte Berlins neue Einstein-Stiftung Wissenschaftler aus der ganzen Welt zu einer Tagung am 9. November mit ungewöhnlichem Format eingeladen: Zwei Dutzend ausgewählte Forscher stellten Zukunftsgebiete ihrer Fächer in jeweils nur 15 Minuten vor. Die Konferenz galt als offizieller Start der von Zöllner unter langen Querelen gegründeten Einstein-Stiftung – und als ihr erster sichtbarer Erfolg.

Die nächste Konferenz wird jedoch nicht mehr von der Einstein-Stiftung, sondern von der inzwischen gegründeten „Falling-Walls-Stiftung“ veranstaltet. Ihr Kuratoriumsvorsitzender ist der Werbefachmann Sebastian Turner, der auch im Vorstand der Einstein-Stiftung sitzt. Die Einstein-Stiftung wird in der jetzt von Turner herumgeschickten Einladung jedoch nicht erwähnt, auf der Homepage der neuen „Falling-Walls“-Stiftung firmiert sie nur noch als eine von mehreren anderen Partnerinnen.

Warum rangiert die Einstein-Stiftung, die Zöllner ursprünglich als „Marke“ und als „international sichtbaren Leuchtturm“ Berlins aufbauen wollte, bei einer so hochrangig besetzten und viel beachteten Konferenz nur noch unter „ferner liefen“? Nach dem jüngsten Ärger um die Finanzierung der Stiftung und um die Person der Leiterin der Geschäftsstelle kann der Eindruck entstehen, Turner wende sich mit der von ihm erfundenen „Falling Walls“-Konferenz von der Stiftung ab, Einstein verliere an Bedeutung.

Diesem Eindruck widerspricht Turner: „Eine zweite ,Falling-Walls’-Konferenz ist nur auf die Beine zu stellen, wenn andere wichtige Unterstützer der Konferenz auf Dauer gewonnen werden können, die dann gleichrangig mit der Einstein-Stiftung auftreten“, sagt er auf Anfrage. Darum sei die „Falling-Walls“-Stiftung als „neutrale Plattform“ gegründet worden.

Das heißt, für andere Stifter ist die Finanzierung der „Falling-Walls“-Konferenz attraktiver, wenn die Einstein-Stiftung ihnen nicht die Show stiehlt. Die Einstein-Stiftung, gegründet, um Geld für Berlins Wissenschaft einzuwerben, steht der Einwerbung von Spenden bei der „Falling-Walls“-Konferenz also im Wege: Es fließt mehr Geld, wenn sie nicht in den Vordergrund tritt, ja, die Veranstaltung kann überhaupt nur ein zweites Mal stattfinden, wenn Einstein nicht prominent präsent ist. Die Spender geben lieber der „Falling Walls Foundation“ Geld als der Einstein-Stiftung.

Turner sieht die Einstein-Stiftung so aber „von der erheblichen organisatorischen Last befreit“. Und das Land Berlin darf wegen der zusätzlichen Sponsoren auf eine noch geringere finanzielle Beanspruchung hoffen als bei der Konferenz im vergangenen Jahr, nach Auskunft aus der Geschäftsstelle der Einstein-Stiftung 80 000 Euro. Der Gesamtaufwand solcher internationaler Konferenzen kann laut Turner siebenstellig werden.

Die Sorge, dass der Einstein-Stiftung dabei aber eine Chance genommen werden könnte, bekannter zu werden, hält er für „unbegründet“: „Die Bekanntheit der Stiftung steigt ja nicht, wenn die Veranstaltung nicht wiederholt wird.“ Entscheidend sei „die erfreuliche Tatsache“, dass sich in Berlin „ein hochkarätiges Forum für den Austausch von Spitzenforschung und Gesellschaft“ entwickeln könne: „Das ist ein schöner Erfolg für diese Initiative der Einstein-Stiftung.“

Anfang Juli war Zöllner mit der Stiftung erneut in die Kritik geraten, nachdem er seine Büroleiterin zur Geschäftsführerin der Stiftung gemacht hatte. Der Eindruck war entstanden, dass sie dabei in Zukunft ein deutlich besseres Gehalt verdient hätte. Im Haushaltsausschuss hatten Abgeordnete auch die vorgesehenen Verwaltungskosten der Stiftung kritisiert (800 000 Euro für die Geschäftsstelle) und befürchtet, es werde ihr wieder nicht gelingen ihren jährlichen Zuschuss von 35 Millionen Euro auszugeben. Im vergangenen Jahr hatte der Finanzsenator 30 Millionen Euro, die nicht von der Stiftung ausgegebenen werden konnten, in die Kitas gesteckt. Die Abgeordneten kritisierten auch, der Stiftung sei es nicht gelungen, Spenden einzuwerben. Der Hauptausschuss wird sich im September wieder mit der Sache befassen. Anja Kühne

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