Sprachentwicklung : „Wat“ statt „was“ – das Niederdeutsche

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Die deutschen Dialekte sind im Mittelalter aus den Sprachen germanischer Stämme entstanden, nämlich der Alemannen, Franken, Bayern, Sachsen und Thüringer. Das Niederdeutsche hat sich aus dem Altsächsischen entwickelt und weist bis heute eine besondere Nähe zum Englischen, Niederländischen und Friesischen auf. Die niederdeutschen Dialekte unterscheidet es von den übrigen, den hochdeutschen Dialekten, dass sie eine entscheidende Sprachentwicklung der deutschen Dialekte nicht vollständig vollzogen haben: die „Zweite Lautverschiebung“: Etwa im 6. Jahrhundert begann in den Dialekten die regelhafte Verschiebung der Konsonanten p, t und k. Das p wird in den hochdeutschen Dialekten zu f und pf: So bleibt es im Niederdeutschen bei „slapen“ (englisch sleep), während es im Neuhochdeutschen „schlafen“ heißt. Im Norden heißt es „Appel“ (englisch apple), südlich davon „Apfel“. Das t verschiebt sich zu einem s- oder z-Laut: Im Neuhochdeutschen heißt es darum „was“ und „das“, im Niederdeutschen „dat“ oder „wat“ sowie „Zeit“gegenüber „Tied“ im Niederdeutschen (englisch tide). Das K wird zum Ch: „ich“ statt wie im Niederdeutschen „ik“. Im äußersten Süden, wo heute die Schweiz liegt, entwickelt sich das K sogar weiter zu einem Krachlaut: „dank-che“.

Das Niederdeutsche konnte sich als Schriftsprache neben dem Hochdeutschen nicht behaupten. Die städtische Oberschicht im Norden nahm schon im 15. Jahrhundert das Hochdeutsche an, schon um 1700 gibt es kein bedeutendes Schrifttum in niederdeutscher Sprache mehr. Als Gründe werden Luthers Bibelübersetzung und die politische und kulturelle Schwäche des Nordens angeführt. Niederdeutsch war bald nur noch Umgangssprache auf dem flachen (niederdeutsch: platten) Land. akü

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