SPUR DER MIKROBEN : Bakterien folgten dem Menschen bei der Besiedlung des Pazifik

Die Mikroben, die in und auf dem Menschen leben, sind auch ein Fenster in seine Vergangenheit. So lassen sich an Hand des Magenbakteriums Helicobacter pylori die Wanderungen des Menschen nachvollziehen.

Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass es zahlreiche Populationen von Helicobacter pylori gibt, die sich geografisch klar voneinander trennen lassen. Vergleiche dieser Gruppen haben unter anderem gezeigt, dass das Bakterium den modernen Menschen offenbar schon besiedelt hatte, als er vor 60 000 Jahren Afrika verließ.

Forschern am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin ist es gelungen, mit dieser Methode die Besiedelung des Pazifik aufzuklären. In zahlreichen Proben von Ureinwohnern aus Taiwan, Neuseeland und den Philippinen konnten die Forscher eine neue Untergruppe von Helicobacter pylori isolieren, die für den pazifischen Raum typisch ist. Aus dem Vergleich von mehr als tausend Sequenzen errechneten sie ein Modell für die menschliche Ausbreitung im Pazifik. Daraus leiten sie ab, dass der Mensch von Taiwan aus vor etwa 5000 Jahren zunächst die Philippinen besiedelte und dann über die Molukken, Neuguinea und Fidschi zu den polynesischen Inseln gelangte, also unter anderem nach Neuseeland, Samoa und Hawaii.

Mikroben seien wegen ihrer kurzen Generationenfolge interessant, sagt Mark Stoneking vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. „So können große genetische Unterschiede zwischen Bakteriengruppen in sehr kurzer Zeit entstehen.“ Forscher in Indien hätten etwa zwei Bevölkerungsgruppen, die genetisch kaum zu unterscheiden waren, anhand des Erbguts ihrer Darmbakterien zuordnen können.

Mark Achtman, einer der Autoren der Pazifik-Studie, hofft mithilfe von Helicobacter pylori auch eine andere Frage zu beantworten: Woher kamen die Menschen, die Sibirien besiedelten? Die Daten lägen bereits vor, sagt er. Nun werde analysiert. kkp

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