Staat und Wissenschaft : Die Leibniz-Gemeinschaft sieht ihre Existenz infrage gestellt

Die Leibniz-Gemeinschaft blickt sorgenvoll in die Zukunft. Präsident Mayer berichtete jetzt bei der Jahrestagung, im Wissenschaftsrat gebe es Überlegungen, "ob man die Leibniz-Gemeinschaft eigentlich noch braucht".

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Karl Ulrich Mayer, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, verwahrt sich gegen Erwägungen im Wissenschaftsrat, die außeruniversitäre Organisation völlig neu zu strukturieren. Momentan werde „die Architektur des deutschen Wissenschaftssystems“ „neu vermessen“, sagte Mayer auf der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am Donnerstag in Berlin. Auch im Wissenschaftsrat werde die Frage „ganz offen“ erörtert, „ob man die Leibniz-Gemeinschaft eigentlich noch braucht, nachdem sie ihre Reparaturfunktion in der deutsch-deutschen Wissenschaftsvereinigung so glänzend erfüllt hat“. Dabei werde entweder „die Rückkehr zur unverbundenen ,Blauen Liste’“ befürwortet oder die „top-down-Programmsteuerung von außen“ erwogen. „Wir wollen weder das eine noch das andere!“, erklärte Mayer.

Die Programmplanung dürfe nicht in der gesamten Wissenschaft an die Stelle des Wettbewerbs gesetzt werden. Auch die Rückkehr zur „Blauen Liste“ wäre „kurzsichtig“. „Und wer eine Abwicklung in die Universitäten fordert, kennt die Leibniz-Institute nicht und weiß nicht, wie eng sie bereits jetzt mit den Hochschulen verbunden sind“, sagte Mayer.

Hintergrund ist die Debatte um die Gestaltung des deutschen Wissenschaftssystems. Der Wissenschaftsrat soll im März Empfehlungen vorlegen. Denn der Pakt für Forschung und Innovation, über den die außeruniversitäre Forschung jahrelang hohe finanzielle Zuwächse erhielt, läuft im Jahr 2015 aus. Zugleich dürfte es spätestens nach der Bundestagswahl zu einer Verfassungsänderung kommen, die dem Bund auch die dauerhafte Förderung von Unis erlauben würde. Dann könnten Leibniz-Institute vollständig in Unis integriert und dort als Einrichtung vom Bund gefördert werden. Leibniz setzt aber auf gemeinsame „Forschungscampus“.

In der Leibniz-Gemeinschaft sind 86 Institute vereint. Die Gemeinschaft ging nach der Wiedervereinigung aus der „Blauen Liste“ hervor. Auf ihr waren 46 Institute gelistet, die wegen ihrer überregionalen Bedeutung von Bund und Ländern gefördert wurden.

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