Staupeviren in der Serengeti : Hundeviren gefährden Löwen

Seit zwanzig Jahren infizieren sich die Löwen des Serengeti-Nationalparks immer wieder mit Staupeviren. Doch Hunde sind offenbar nicht die einzigen Überträger.

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Von Hunden verbreitete Staupeviren töteten 1994 rund tausend Löwen im Serengeti Nationalpark. Seitdem erkranken immer wieder Löwen an der Krankheit, die mit quälenden Muskelspasmen einhergeht.
Von Hunden verbreitete Staupeviren töteten 1994 rund tausend Löwen im Serengeti Nationalpark. Seitdem erkranken immer wieder Löwen...Foto: Serengeti Carnivore Disease Project

1994 starben im Serengeti-Nationalpark etwa 30 Prozent der Löwen an einer rätselhaften Krankheit. Mindestens tausend Tiere wurden von Muskelspasmen geschüttelt und verendeten bald qualvoll. Schließlich fanden Forscher die Ursache: Staupeviren waren von den Haus- und Wildhunden in der Umgebung des tansanischen Nationalparks auf die Großkatzen übergesprungen. Offenbar hatten Genmutationen es den Viren ermöglicht, die Artgrenze zu überspringen – erstmals bei Löwen, aber keine Seltenheit bei der Staupe, die neben Hundeartigen wie Füchsen mitunter auch Robben, Dachse, Wasch- und Pandabären und andere Säuger heimsucht.

Mit der Tollwutimpfung bekommen die Hunde in der Serengeti-Region auch gleich den Staupeschutz.
Mit der Tollwutimpfung bekommen die Hunde in der Serengeti-Region auch gleich den Staupeschutz.Foto: Serengeti Carnivore Disease Project

Aufwändige Impfaktionen

Seitdem werden Hunde in der Region mit der Tollwutimpfung auch gleich gegen Staupe geimpft. Dennoch ist es seitdem immer wieder zu Staupe-Fällen unter Serengeti-Löwen gekommen, wenn auch meist mit milderem Verlauf. Nun fragen sich Forscher, ob die Löwen sich nicht nur bei Hunden, sondern anderswo anstecken. Und ob sich die aufwendigen und teuren Impfungen überhaupt lohnen.

Mafalda Viana vom Institut für Biodiversität und Tiergesundheit der Universität Glasgow untersuchte unter anderem mit Kollegen in Tansania Blutproben von Löwen und Hunden, die zwischen 1984 und 2012 gesammelt wurden. Tatsächlich fanden die Forscher das Virus in den Hundeblutproben von 1994, kurz bevor es in Blutproben von Löwen auftritt, was die Theorie bestätigt, dass die Staupe von Hunden auf Löwen übertragen wurde. Danach allerdings gibt es keine so klaren Zusammenhänge mehr zwischen dem Auftreten der Viren im Hunde- und Löwenblut. Darüber hinaus reduzieren die Impfkampagnen zwar die Häufigkeit der Staupeinfektionen, beeinflussen aber das Auftreten der Staupe bei Löwen nicht.

Ein Kind wartet geduldig mit seinem Hund auf dessen Impfung.
Ein Kind wartet geduldig mit seinem Hund auf dessen Impfung.Foto: Serengeti Carnivore Disease Project

Nicht nur Hunde sind Überträger

Vianas Team schlussfolgert im Fachblatt „PNAS“, dass Staupeviren offenbar auch in anderen Fleischfressern überdauern und von dort aus Löwen immer wieder neu infizieren. Es seien Studien nötig, in denen mehrere Tierarten der Serengeti auf das Virus getestet werden sollten, um herauszufinden, wie es im Ökosystem überdauert – und wie es am besten bekämpft werden kann.

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