Stiftung Charité und Berlin Institute of Health : Gesundes Sponsoring

40 Millionen Euro hat die Stiftung Charité dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung in die Wiege gelegt - um mit dem BIH "völlig neue Türen aufzustoßen".

von
Ein Ärzteteam schiebt einen Patienten auf einer Krankentrage durch einen Raum.
Zwischen Notaufnahme und OP. Junge Mediziner haben kaum Zeit für die Klinische Forschung. Als vorbildlich gilt das Programm "BIH...Foto: picture alliance /dpa

Ein „Ökosystem für Innovationen“ verspricht der neue Vorstandsvorsitzende Erwin Böttinger am Berliner Institut für Gesundheitsforschung (Berlin Institute of Health/BIH) zu schaffen. „Grundlagenwissenschaftler, klinische Forscherinnen, Bioinformatiker, Genetikerinnen oder Protein-Spezialisten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen“ sollen im 2013 gegründeten BIH „für die Gesundheit der Menschen miteinander arbeiten“, sagte Böttinger Anfang Februar bei seinem Amtsantritt.

BIH-Chef Böttinger hofft, in die internationale Spitze vorzudringen

Translationale Medizin betreibt das BIH, in erster Linie geht es darum, Ergebnisse der Grundlagenforschung in Therapien für Patienten zu übersetzen. Gut 300 Millionen Euro stehen dem Institut, einer Teilfusion aus dem Universitätsklinikum Charité und dem Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC), dafür in den ersten fünf Jahren zur Verfügung. 90 Prozent trägt der Bund, den Rest das Land Berlin. Obwohl die internationale Konkurrenz in der Gesundheitsforschung erheblich höhere Etats hat, hofft Böttinger „in die internationale Spitze vordringen zu können“.

Dabei helfen will die Stiftung Charité, die sich als „Schrittmacherin und Impulsgeberin“ für die Gesundheitsforschung in Berlin und insbesondere für das BIH sieht. „Private Exzellenzinitiative“ hatte die im vergangenen Jahr verstorbene Stifterin Johanna Quandt ihr 40-Millionen-Euro-Programm genannt, das sie dem Institut 2012 mit in die Wiege legte.

Eine unkonventionelle Stiftungsprofessur für junge Frauen

Vorstand der Stiftung Charité ist Jürgen Zöllner, Berlins ehemaliger SPD-Wissenschaftssenator. Er fädelte die Bundesförderung für das BIH mit der damaligen Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) ein. Als Stiftungschef sprüht Zöllner, der vor seiner politischen Karriere Medizinprofessor in Mainz war, nur so vor Ideen, mit dem Institut „völlig neue Türen zu öffnen“.

Mit ihrem neuesten Programm will die „Private Exzellenzinitiative“ junge Frauen ans Institut holen, die auf wenig etablierten Forschungsgebieten arbeiten. Das sollen ihnen die BIH Johanna Quandt Professorships ermöglichen, W2-Nachwuchs-Professuren. Etliche Innovationen bringe das Programm ans BIH, sagt Zöllner: Nur Frauen können sich bewerben, weil sie in den Lebenswissenschaften in führenden Positionen unterrepräsentiert sind. Ihr Thema können sie frei wählen. Und sie bekommen einen „echten Tenure Track“, das heißt, wenn sie nach fünf Jahren positiv evaluiert werden, wird die befristete in eine zu Beginn bereits angelegte Lebenszeitstelle umgewandelt. Das Programm startet mit zunächst zwei Stellen. Ausgestattet werden sie mit jährlich 200 000 Euro von der Stiftung und 300 000 Euro vom BIH.

Zu den internationalen Fellows kommen jetzt auch nationale

Für solche innovativen Programme seien private Förderungen „bestens geeignet“, sagt BIH-Chef Böttinger. Insgesamt würden solche „nicht klassischen“ und thematisch offenen Berufungen dem BIH in der Aufbauphase helfen. Ein prominentes Beispiel ist der Nobelpreisträger von 2013, Thomas Südhof, Biochemiker und Neurowissenschaftler in Stanford. Er kam 2014 als Einstein BIH Visiting Fellow ans Institut, baut dort eine Arbeitsgruppe auf, an der Forscher aus Berlin und Stanford beteiligt sind. Sechs solcher Visiting Fellows werden mittlerweile von der Stiftung Charité finanziert und in Kooperation mit der – einst von Jürgen Zöllner gegründeten – Einstein-Stiftung gefördert.

Das internationale Programm bekommt jetzt ein nationales Pendant: die BIH Visiting Professors. Bundesweit schaue die scientific community ja sehr genau darauf, was in der Berliner Gesundheitsforschung mit Bundesmitteln möglich sei, sagt Zöllner. Jetzt rufe man Forschern in München, Heidelberg oder Göttingen zu: „Ihr könnt auch etwas davon haben.“

Clinical Scientists sollen bundesweit Schule machen

Als etabliert kann ein Programm gelten, das die Stiftung 2010 initiiert hat. Seitdem werden Mediziner in der Facharztausbildung als Clinical Scientists gefördert. Für 20 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit sind sie freigestellt, um in die klinische Forschung einzusteigen – ein Freiraum, den junge Ärztinnen und Ärzte zwischen Notaufnahme, Operationssaal und Station normalerweise nicht haben. Zehn solcher Stellen finanziert die Stiftung, 70 weitere hat die Charité aufgebaut. Das soll jetzt bundesweit Schule machen: Für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Wissenschaftsrat sind die Clinical Scientists vorbildlich, um Karrierewege in der Universitätsmedizin attraktiver zu machen.

Bis 2022 läuft die „Private Exzellenzinitiative“ noch, von den 40 Millionen Euro sind bislang 8,4 Millionen bewilligt, heißt es aus der Stiftung. Was kommt danach an privater Unterstützung, um am BIH weiterhin „völlig neue Türen zu öffnen“? Böttinger hofft auch hier auf die Vorbildwirkung der Stiftung. In den drei Jahrzehnten, die er in den USA geforscht hat, gehörte das private Sponsoring für Spitzenforschung selbstverständlich dazu. Eine solche Kultur brauche es in Deutschland auch.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben