Stockholm : Chemie- Nobelpreis geht an Berliner Forscher

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Deutschen Gerhard Ertl. Der Forscher vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin erhält die Auszeichnung für die genaue Untersuchung chemischer Reaktionen, wie sie auch im Autokatalysator ablaufen.

Nadine Schimroszik[ddp]
Gerhard Ertl Foto: dpa
Gerhard Ertl an seinem Arbeitsplatz in Berlin. -Foto: dpa

Berlin Mit dem Nobelpreis für Chemie hat mit Gerhard Ertl bereits der zweite deutsche Forscher die höchste internationale Auszeichnung in seiner wissenschaftlichen Disziplin erhalten. Am Dienstag war bereits dem Jülicher Akademiker Peter Grünberg der Nobelpreis für Physik zuerkannt worden. Der 71-jährige Ertl, der heute auch seinen Geburtstag feiert, erhielt unter anderem Glückwünsche von Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

An seinem Beispiel zeige sich einmal mehr, wie unverzichtbar Grundlagenforschung sei, sagte Köhler. Die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit bilden die Grundlage für eine breite Palette industrieller Anwendungen von der Automobilindustrie bis zur Agrarchemie. Ganz im Sinne Alfred Nobels habe er einen Beitrag dazu geleistet, das Leben der Menschen zu verbessern.

"Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, in beiden Gebieten - Physik und Chemie - in diesem Jahr einen Nobelpreis zu bekommen", sagte Merkel. Sie glaube, die Wissenschaftler in Deutschland seien insgesamt geehrt, aber Professor Ertl könne sich besonders freuen, da er auch noch Geburtstag habe.

Schavan: Große Forscherpersönlichkeit

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, "der Preis geht an einen exzellenten Grundlagenforscher und eine große Forscherpersönlichkeit". Die beiden Nobelpreise für deutsche Forscher in diesem Jahr stärkten die Aufbruchstimmung in der deutschen Wissenschaft, die auch international zu spüren sei. Der Preis sei nicht nur ein wunderbares Geburtstagsgeschenk für Professor Ertl, sondern auch eine großartige Auszeichnung für die deutsche Forschungslandschaft.

Auch die Ruhr-Universität Bochum, die Ertl 1992 die Ehrendoktorwürde verliehen hatte, gratulierte dem Forscher. Seine Arbeiten zu elementaren Prozessen bei chemischen Reaktionen an Oberflächen fester Stoffe bilden nach Angaben von Uni-Rektor Elmar Weiler die Grundlage für die Erforschung neuartiger Oberflächenreaktionen an der Hochschule.

Der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, verspricht sich von den zwei Nobelpreisen innerhalb von zwei Tagen eine wissenschaftliche Blütezeit in Deutschland: "Ich hoffe, dass uns diese Euphorie nun den nötigen Schwung verleihen wird, die Rahmenbedingungen für die Forschung noch weiter zu verbessern, wir sind auf einem guten Weg dazu."

Tränen der Rührung

Ertl bekommt den mit 1,1 Millionen Euro dotierten Chemie-Nobelpreis für seine Studien von chemischen Verfahren auf festen Oberflächen. Ihm seien die Tränen gekommen, als er von der Auszeichnung erfuhr. "Das gebe ich offen zu", sagte der Forscher. Der Anruf habe ihn gegen 11:30 Uhr in seinem Büro im Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft erreicht.

Dort arbeitet der emeritierte Professor noch täglich. Bereits auf dem Telefondisplay habe er gesehen, dass Schweden anrufe, sagte der 71-Jährige. Bei dem Nobelpreis handele es sich um die Krönung des Lebenswerkes eines Wissenschaftlers, befand Ertl zu der Wichtigkeit der Auszeichnung. Er sei auch sehr überrascht gewesen, dass er "der einzige" Preisträger ist. Er habe sich erstmal nach weiteren erkundigt.

Offiziell überreicht werden alle Nobelpreise am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben