Stockholm : Israeli erhält Chemie-Nobelpreis für Quasikristalle

05.10.2011 12:59 Uhr
Daniel Shechtman kann sich über die Auszeichnung durch das Nobel-Komitee freuen. Foto: dpa
Daniel Shechtman kann sich über die Auszeichnung durch das Nobel-Komitee freuen. - Foto: dpa

Update Der israelische Chemiker Daniel Shechtman wird mit dem Nobelpreis geehrt. Er hat die Quasikristalle entdeckt - und musste erst mal seine Frau anrufen.

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Chemiker Daniel Shechtman (Israel). Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Er wird für die Entdeckung der Quasikristalle ausgezeichnet. Sie erinnern in der Struktur an islamische Mosaike, wie sie im mittelalterlichen Alhambra-Palast von Spanien zu sehen sind. Die Atome in Quasikristallen sind in Mustern angeordnet, die sich niemals wiederholen. Eine solche Anordnung war vor ihrer Entdeckung 1982 für unmöglich gehalten worden.

„Shechtmans Arbeit hat zu einem Paradigmenwechsel in der Chemie geführt“, sagte der Chef des Chemie-Nobelkomitees, Lars Thelander.


„Seine Arbeit traf auf große Skepsis. Aber Dank der hohen Qualität seiner Daten konnte der Meinungsstreit beendet werden.“

Shechtman habe sich mit seiner bahnbrechenden Entdeckung gegen den erbitterten Widerstand der wissenschaftlichen Gemeinschaft durchsetzen müssen, hieß es in der Begründung der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Shechtman forscht am israelischen Institut für Technologie in Haifa.

Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

„Wir haben mit Shechtman über den Preis am Telefon gesprochen“, berichtete Nobel-Sekretär Staffan Normark. „Er war sehr aufgeregt und sehr begeistert. Er sagte, er habe lange darauf gehofft, aber die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben.“ Shechtman selbst wollte die Auszeichnung zunächst nicht kommentieren. „Bitte haben Sie Verständnis - ich muss erst einmal meine Frau anrufen“, sagte er am Telefon.

Im vergangenen Jahr hatten sich der Amerikaner Richard Heck sowie die Japaner Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki den Preis geteilt. Sie hatten Verfahren entwickelt, mit denen sich Kohlenstoffatome zu komplexen Molekülen wie etwa medizinischen Wirkstoffen verbinden lassen.

Am Dienstag hatte die Akademie den Physik-Nobelpreis Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam G. Riess für die Entdeckung der beschleunigten Ausbreitung des Universums durch Beobachtung entfernter Supernovae zuerkannt.

Am Montag war der Medizin-Nobelpreis den Immunforschern Bruce Beutler, Jules Hoffmann und Ralph Steinman zugesprochen worden.
Steinman war wenige Tage zuvor gestorben, er wird dennoch mit dem Preis geehrt.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (dpa)

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