Streifengänse meiden extreme Höhen : Achterbahnflug über den Himalaja

Streifengänse müssen zweimal im Jahr das Hochgebirge überwinden. Um Energie zu sparen wählen sie verschlungene Routen. Hauptsache, es geht nicht zu hoch hinaus.

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Datenträger. Einzelne Vögel erhielten einen „Logger“, der Informationen zum Flug über die Berge aufzeichnete.
Datenträger. Einzelne Vögel erhielten einen „Logger“, der Informationen zum Flug über die Berge aufzeichnete.Foto: Nayambayar Bathbayar

Für Streifengänse steht der Himalaja wie eine scheinbar unüberwindliche Wand im Weg, wenn sie von ihren Winterquartieren in Indien zu den Brutplätzen in der Mongolei fliegen. Teilweise sind die Gipfel mehr als 8000 Meter hoch, in diesen Regionen wird jeder Schritt zur Qual, wissen Bergsteiger. Fliegen ist noch viel anstrengender. Und doch meistern die Vögel zweimal im Jahr diese Hürde. Einige Biologen vermuteten, Streifengänse würden sich von starken Monsunwinden bis in 7000 oder 8000 Metern Höhe tragen lassen, um dann ohne großen Aufwand weiterfliegen, um über die Berge zu kommen. Doch die Vermutung erwies sich als falsch, zeigen Charles Bishop von der Universität Bangor (Wales) und Kollegen. Tatsächlich fliegen die Vögel einen Kurs, der einer Achterbahnfahrt ähnelt. Dabei erreichen sie nur selten Höhen von mehr als 6000 Meter, berichten die Forscher im Fachblatt „Science“.

30 Tiere bekamen einen "Flugschreiber" unter die Haut

Doch warum fliegen die Tiere nicht einfach wie ein Verkehrsflugzeug in großer Höhe über die Berge? Und wie anstrengend ist der Vogelflug überhaupt? Um das herauszubekommen, fingen die Forscher im Sommer 2011 auf einem See in der Mongolei 30 Streifengänse. In dieser Zeit wechseln sie ihre Federn und können nicht fliegen. Ein Tierarzt implantierte den betäubten Tieren ein 32 Gramm schweres Gerät unter die Haut, das in kurzen Zeitabständen Luftdruck, Körpertemperatur und Herzschlag der Gänse misst und speichert. Dieser „Logger“ registriert auch Beschleunigungen, aus denen sich der Vogelflug rekonstruieren lässt – sofern die Forscher die Geräte wieder in die Hände bekommen.

Beim Orten können Sender helfen, deren Signale von Satelliten erfasst werden. Doch sie erfordern große und leistungsstarke Batterien, die deutlich zu schwer für die gut zwei Kilo schweren Streifengänse wären. Die Forscher konnten nur hoffen, möglichst viele der markierten Vögel im nächsten Jahr wieder einzufangen.

Die Vögel folgten der Topografie - das spart Energie

17 Logger konnten sie am Ende auswerten. Demnach waren die Vögel keineswegs in der Höhe der Berggipfel von 8000 Metern, sondern durchschnittlich nur in 4707 Metern unterwegs. Lediglich zwei Prozent der Zeit verbrachten sie über 6000 Meter – vermutlich, um Gebirgspässe zu queren. Oft flogen sie nur wenige Dutzend Meter über der Oberfläche, folgten dabei Tälern und Bergrücken, so dass ihr Flugprofil eher einer Achterbahnfahrt glich.

Ursache dafür ist der Energieverbrauch, schreiben Bishop und Kollegen. Frühere Studien hatten den Flug von Streifengänsen im Windkanal analysiert und dabei unter anderem Herzschlag, Flügelbewegung und die Menge des verbrauchten Sauerstoffs gemessen. Dabei wird deutlich: Je höher die Vögel fliegen, umso dünner wird die Luft. Um sich dort oben zu halten, müssen die Tiere viel öfter mit den Flügeln schlagen, bekommen aber weniger Sauerstoff. Schon in 5000 Metern ist der Energieaufwand für jeden Flugkilometer daher 1,7-mal höher als auf Meereshöhe, rechnen die Forscher aus. Kein Wunder, wenn sie den Aufstieg in solche Höhen vermeiden und lieber nahe am Boden fliegen – trotz einiger Umwege.

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