Streit um Super-Uni : Höhere Tochter

Schaden die Pläne zur „Super-Uni“ Berlin im Elitewettbewerb? Das ist durchaus möglich, sagen Experten.

Amory Burchard,Anja Kühne
TU Berlin
Berlin soll als Forschungsstandort international sichtbarer werden. -Foto: Thilo Rückeis

Der Plan zu einer neuen Berliner „Super-Uni“ schlägt hohe Wellen. An den Universitäten wächst die Angst, der Vorstoß von Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner könne die Berliner Aussichten im Elitewettbewerb verschlechtern. Gut denkbar sei, dass diese Sorge inzwischen auch von den Uni-Präsidenten geteilt wird, heißt es aus deren Umfeld. Über den Verlauf des Gesprächs mit Zöllner am Mittwoch wollte sich bis zum Redaktionsschluss keiner der Präsidenten äußern. Jedoch gibt es Hinweise auf Meinungsverschiedenheiten mit dem Senator.

Die aus Senatskreisen angekündigte gemeinsame Pressemitteilung des Senators und den Uni-Präsidenten kam nicht zustande. Eine allein vom Senator verfasste Mitteilung wurde in zwei Versionen verschickt. Zuerst teilte Zöllner mit: „Bei einer gemeinsamen Einrichtung kann es nach übereinstimmender Auffassung des Senators und der drei Universitätspräsidenten nicht darum gehen, Exzellenzbereiche aus den Universitäten oder auch den außeruniversitären Forschungseinrichtungen herauszulösen“. In der zweiten Fassung werden die Uni-Präsidenten nicht mehr erwähnt. Offenbar haben diese sich dagegen verwahrt, um nicht den Eindruck von Harmonie mit dem Senator zu erwecken.

Das alleinige Promotionsrecht der Unis werde nicht aufgegeben, teilt Zöllner mit. Diese Aussage dürfte die Unis aber nicht beruhigen. Da Zöllner eine neue Uni mit Beteiligung außeruniversitärer Einrichtungen plant, hätten diese Institute innerhalb der „Super-Uni“ natürlich auch das Promotionsrecht. Wie die neue Uni, die der Senator eine „gemeinsame Tochterinstitution“ nennt, genau aussehen soll, werde er erst Ende des Jahres sagen. Denn „jeder Lösungsvorschlag“ müsse „auf den Ergebnissen des Exzellenzwettbewerbs aufbauen“.

Helmut Schwarz, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Professor für Chemie an der TU Berlin, hält es für möglich, dass Berlin im Exzellenzwettbewerb ein falsches Signal sendet. Die Gutachter könnten den Eindruck gewinnen, die Förderung werde in Berlin nicht nachhaltig angelegt sein, weil die „Substanz der dann ausgebluteten Universitäten nicht reicht“. Die „Restuniversität“ werde nur noch eine Fachhochschule sein, sagte Schwarz. Das sei eine „hirnrissige Idee“.

„Wenn man aus der Universität Teile herauslöst, schwächt man den Rest“, sagt auch DFG-Abteilungsleiterin Beate Konze-Thomas. Das gelte – unabhängig von den Plänen einzelner Länder –„insbesondere in Hinblick auf die Exzellenzinitiative“. Grundsätzlich unterstütze die DFG ebenso wie der Wissenschaftsrat die Kooperationen zwischen Universitäten und außeruniversitären Instituten, das sei auch mit der Bewilligung des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) in der ersten Runde des Elitewettbewerbs dokumentiert. „Wir können uns in Deutschland die Versäulung nicht mehr leisten“, so Konze-Thomas. Aus den Universitäten jedoch die „Sahnestückchen herauszuschneiden, eine weitere Universität zu gründen und den Rest laufen zu lassen“, wäre problematisch. Solche Pläne würden in der Wissenschaft ebenso auf Ablehnung stoßen wie der ursprüngliche Plan für das European Institute of Technology (EIT): Dorthin sollten nach Brüsseler Plänen zunächst exzellente Bereiche von Hochschulen übersiedeln; jetzt wird das EIT als Forschungsverbund gegründet.

Karl Max Einhäupl, der ehemalige Vorsitzende des Wissenschaftsrats, sagt zu Zöllners Idee: „Natürlich werden die Gutachter diesen Vorgang nicht ignorieren. Ob Zöllners Vorstoß dann aber nützt oder schadet, hängt ausschließlich von der Ausgestaltung ab.“ Berlins Unis dürften unter keinen Umständen geschwächt werden. Es sei aber prinzipiell positiv zu sehen, dass Zöllner neue Impulse gebe, die Versäulung zwischen außeruniversitären Instituten und Universitäten aufzubrechen. Darüber müsse nun diskutiert werden. Gut sei auch, dass mit Zöllners Masterplan das Thema Wissenschaft wieder auf die öffentliche Tagesordnung gekommen sei und dass die politische Führung bereit sei, dafür Geld bereitzustellen.

Rüdiger Bormann, Mitglied der Strategiekommission des Elitewettbewerbs, sagt lediglich,die Gutachterberichte über die FU und die HU hätten bereits vorgelegen, bevor der Plan bekannt wurde. „Inwieweit neben dieser wesentlichen Grundlage noch andere Aspekte die Entscheidung beeinflussen, kann man nicht sagen.“ Ernst-Ludwig Winnacker, Generalsekretär des Europäischen Forschungsrats (ERC) und ehemaliger DFG-Präsident, verteidigt die Idee. Winnacker soll den Senat bei der Gründung der gemeinsamen Institution beraten. Dem Tagesspiegel sagte er, der Titel „Research University“ (Forschungsuniversität) würde ihn nicht beunruhigen – „im Gegenteil“.

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