Studentenwerk : Zu alt für das Wohnheim

Das Kölner Studentenwerk verweigert einer 39-jährigen iranischen Studienanfängerin ein Zimmer.

Freundlich und offen präsentiert sich das Kölner Studentenwerk auf seiner Homepage: „86 Wohnhäuser mit ca. 4600 Plätzen betreibt das Kölner Studentenwerk“, heißt es dort. „Wohnen kann hier, wer an einer der Kölner Hochschulen studiert.“ – Wirklich? Die iranische Studentin Ramesh Kiani ist zwar in Köln eingeschrieben. Ein Zimmer beim Studentenwerk bekommt sie trotzdem nicht, obwohl sie sich seit Wochen darum bemüht. Der Grund ist nicht etwa, dass nichts mehr frei ist. Vielmehr gefällt die Studentin dem Vermieter nicht: Sie sei „zu alt“, um im Studentenwohnheim zu wohnen.

Die stellvertretende Leiterin für studentisches Wohnen des Kölner Studentenwerks, Sofia Emexidis, hat der 39-Jährigen, BWL-Studentin im ersten Semester, ihre Meinung mehrfach auseinander- gesetzt. Sie erklärt auch dem Tagesspiegel auf Anfrage: „Unsere Mieter sind Anfang zwanzig. Ich bitte Sie, zwanzig Jahre Unterschied – da gibt es keinen Diskussionsbedarf.“ Die Wohnheime bräuchten eine „gesunde Altersstruktur“ und eine „gesunde Mischung“.

In der Tat ist das Studentenwerk nicht gezwungen, jeden Studierenden aufzunehmen, heißt es aus dem Dachverband, dem Deutschen Studentenwerk (DSW). Um Ghettos zu verhindern, könne das Studentenwerk eine „aktive Belegungsplanung“ vornehmen. Davon, dass einzelne ältere Studierende nicht unterkommen, hat man beim DSW aber noch nichts gehört. Unter dem Motto „Wohnen gegen Hilfe“ bieten verschiedene Städte Studierenden sogar Wohnen mit Rentnern an. Auch durfte die Studentin Kiani trotz ihres Alters während ihrer Uni-Vorbereitungskurse in Münster und Bochum im Studentenwohnheim wohnen – eine schöne Erfahrung, die sie in Köln fortsetzen möchte. Eine Vierer-WG, die sie gern zu sich genommen hätte, hat sie gefunden – vergeblich. Es gehe schließlich um die „Harmonie“ einer Wohngemeinschaft, sagt Sofia Emexidis.

Sie kann Kianis Beharren auf einen Wohnheimplatz auch deshalb nicht nachvollziehen, weil das Studentenwerk der Studentin bereits mehrfach „attraktive Angebote“ in privaten Häusern gemacht habe. Dort sei die Miete nicht teurer und unter den Mietern seien dutzende Studierende, die Kiani dann auch im Gemeinschaftsraum treffen könne. Aber sie hätte dort „eine abgeschlossene Wohneinheit“ für sich, es gebe also „keine Probleme“ mit anderen Kommilitonen in einer gemeinsamen Küche wie „wer bringt den Müll runter und wer spült ab“, sagt Emexidis.

Ein „abgeschlossenes Apartment“: Gerade das will Ramesh Kiani nicht. „Da bin ich einsam“, sagt sie. Deutsche Kommilitonen haben ihr geraten, vor den Verantwortlichen im Studentenwerk zu weinen. Das helfe manchmal, die eigenen Wünsche durchzusetzen. Kiani, die ihre Heimat verlassen musste, weil, wie sie sagt, „ich nicht alles akzeptiere“, macht lieber Druck über die Presse.

Besteht nicht doch noch eine Chance? Einen Platz in einer Zweier- oder Vierer-WG kann Kiani unmöglich haben, daran hält Emexidis fest. Nicht völlig ausschließen will sie aber, dass die Iranerin doch noch ein Zimmer auf einem Sechser- oder Achter-Flur bekommen könnte, wo sie mit ihrem Alter vielleicht nicht so auffiele. Ramesh Kiani würde dieses Angebot, das man ihr noch nicht gemacht hat, liebend gern annehmen. (Tsp/akü)

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