Studentisches Wohnen : Studierendenwerk Berlin darf mehr Wohnheime bauen

Günstiger Wohnraum für Studienanfänger ist knapp in Berlin. Jetzt soll das Studierendenwerk einspringen und doch wieder im großen Stil bauen.

Ein junger Mann sitzt in einem modern eingerichteten Appartement an einem Tisch.
Vorbild. Schon in der Hardenbergstraße baute das Berliner Studierendenwerk im eigenen Hinterhof.Foto: Thilo Rückeis

Bislang geht es nur in kleinen Schritten voran mit dem Bau der 5000 Wohnheimplätze für Studierende, die Klaus Wowereit 2013 versprochen hatte. Bauen dürfen bislang hauptsächlich die städtischen Wohnungsbaugesellschaften und die landeseigene Immobilienfirma Berlinovo.

Das Studierendenwerk, das den größten Teil der Studentenbuden anbietet, blieb außen vor. Es kann nur mit Eigenmitteln kleinere Vorhaben realisieren. Denn auf Betreiben des Finanzsenators bestimmte schon Wowereit: Das Studierendenwerk soll keine Kredite aufnehmen, weil das Land Berlin dafür haften müsste.

Michael Müller: Kreditaufnahme wird geprüft

Vier Jahre später und unter dem Regierenden und Wissenschaftssenator Michael Müller könnte sich das jetzt ändern. Er will das Studierendenwerk „in die Pflicht nehmen“, sich beim Bau der 5000 Wohnheimplätzen verstärkt zu engagieren.

Diese Kehrtwende deutete Müller am Mittwoch bei der Schlüsselübergabe neuer Berlinovo-Appartements in Lichtenberg an. Gegenüber dem Tagesspiegel bestätigte er, „den bereits laufenden Ausbau der Wohnangebote durch die städtischen Baugesellschaften“ wolle der Senat „um weitere Maßnahmen ergänzen“. Es werde geprüft, „unter welchen Bedingungen wir dem Studierendenwerk Kreditaufnahmen für den Wohnheimausbau ermöglichen können“.

Studierendenwerk verspricht "sozialverträglichen Wohnraum"

Das Studierendenwerk zeigt sich überrascht. Bislang sei aus dem Koalitionsvertrag nur bekannt gewesen, dass das Werk die entstehenden Heime der Konkurrenz verwalten solle. Nun also grünes Licht für Neubauten im großen Stil? „Wir sind bereit und in der Lage, neue Wohnheime zu bauen“, sagt Petra Mai-Hartung, Geschäftsführerin des Studentenwerks. Auf vorhandenen Grundstücken könne durch Nachverdichtung „dringend benötigter zusätzlicher sozialverträglicher Wohnraum für Studierende geschaffen werden“ – „wenn die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen“. Für die Studierenden soll es auf jeden Fall günstiger werden: Bei der Berlinovo kostet ein Mini-Appartement 340 Euro im Monat, beim Studierendenwerk sind es im Schnitt 220 Euro.

Ein Parkhaus an der Potsdamer Straße wird zum Wohnheim

Wie viele Wohneinheiten das Studierendenwerk in welcher Zeit schaffen könnte, sei noch nicht bezifferbar, sagt Morgenstern. Ein Projekt, das man sofort angehen könnte, sei das Parkhaus des Wohnheims an der Potsdamer Straße 61–65. Dort könnten „mit vertretbarem Aufwand“ Appartements eingebaut werden.

Michael Müller denkt unterdessen für den Herbst über eine Zwischenlösung nach. Container, die nicht mehr für die Unterbringung von Geflüchteten benötigt werden, könnten für Studierende geöffnet werden.

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