Studie : "Billionen-Verlust wegen Bildungsarmut"

26.11.2009 08:34 UhrVon Tilmann Warnecke

Deutschland könnte bis zum Ende dieses Jahrhunderts 2,8 Billionen Euro verlieren, wenn es nicht zu umfassenden Bildungsreformen kommt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Wirtschaftswissenschaftler der Universität München errechneten für die Studie, um wie viel das Bruttoinlandsprodukt bis 2090 wachsen wird. Ein Szenario geht dabei von einer Entwicklung ohne Bildungsreformen aus. In einem zweiten Schritt rechneten die Forscher aus, was passieren würde, wenn die Zahl der unzureichend ausgebildeten Schüler binnen der nächsten zehn Jahre um 90 Prozent verringert wird.

Ohne Bildungsreformen würden Deutschland demnach bereits bis zum Jahr 2030 gut 69 Milliarden Euro entgehen. Bis 2043 liegt die Summe bei 311 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2090, dem Endpunkt der Prognose, würde Deutschland nach dieser Prognose ohne Bildungsreformen 2,8 Billionen Euro weniger erwirtschaften als mit einer Verbesserung des Bildungssystems.

Die Summe entspreche dem 28-fachen der Konjunkturpakete, die die Bundesregierung heute auflegt, heißt es in der Studie.

Das Szenario beruht auf der Annahme, dass die Gruppe der "Risikoschüler" um 90 Prozent verringert wird. Als Risikoschüler werden im internationalen Schülervergleich Pisa die Schüler bezeichnet, die nicht einmal über Basiskompetenzen im Lesen und Rechnen verfügen. Für ihre Prognose rechneten die Forscher alle Erträge zusammen, die ein heute geborenes Kind bis zum Jahr 2090 - also seinem 80. Lebensjahr - erarbeiten würde. Die Wissenschaftler berufen sich auf international verwendete Wachstumsmodelle, mit deren Hilfe man den Zusammenhang zwischen Bildungskompetenzen und langfristigem Wirtschaftswachstum berechnen könne. Würde es gelingen, alle deutschen Schüler auf das bayerische Niveau zu heben, könnte Deutschland sogar 5,2 Billionen Euro mehr erwirtschaften, heißt es in der Studie. Wären alle deutschen Schüler auf dem Durchschnittsniveau von Finnland, käme es sogar zu einem zusätzlichen Ertrag von 9,6 Billionen Euro.

Um die Bildungschancen von allen Kindern zu verbessern, fordern die Forscher mehr Investitionen in die Kitas und die Schulen. Vor allem in die frühkindliche Bildung müsse mehr Geld fließen. Kinder und Jugendliche müssten individuell gefördert werden, Kitas und Schulen müssten gerade in sozial benachteiligten Quartieren zu "Orten der Integration" ausgebaut werden.

Heinz Sielmann Stiftung

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