Studie : Wenig Gehalt für Frauen mit Uniabschluss

Frauen profitieren von einem Studium finanziell noch immer weniger als Männer: Vollzeit arbeitende Akademikerinnen bekommen nach fünf Jahren im Beruf monatlich durchschnittlich 3074 Euro, während Männer 3838 Euro erhalten.

Tilmann Warnecke

Fünf Jahre nach ihrem Abschluss verdienen Akademikerinnen mit einer Vollzeitstelle im Schnitt zwanzig Prozent weniger als Männer, die zum gleichen Zeitpunkt ihr Studium beendet hatten. Das schreiben die Soziologinnen Kathrin Leuze und Susanne Strauß vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) im gerade erschienenen „WZB-Brief Arbeit“. Demnach verdienen Vollzeit arbeitende Akademikerinnen nach fünf Jahren im Beruf monatlich durchschnittlich 3074 Euro, während Männer 3838 Euro bekommen. Die Autorinnen berufen sich bei ihren Berechnungen auf das Absolventenpanel des Hochschul-Informations-Systems (HIS) von 1997, das die damaligen Absolventen über viele Jahre begleitete.

Dass Frauen in Deutschland deutlich weniger Gehalt bekommen als Männer, ist in Studien wiederholt festgestellt worden. Früher habe es als Erklärung für die Benachteiligung oft geheißen, dass das Bildungsniveau von Frauen insgesamt niedriger sei als das von Männern, sagen die Autorinnen. Da aber seit längerer Zeit genauso viele Frauen wie Männer ein Studium erfolgreich absolvierten, sei dieses Argument nicht stichhaltig. Leuze und Strauß nennen viele andere Gründe, warum selbst Akademikerinnen weniger verdienen als Männer mit dem gleichen Abschluss. Frauen würden aufgrund der schlechten Kinderbetreuung in Deutschland die Arbeit deutlich häufiger unterbrechen. Sie würden sich zwar zunehmend im mittleren Management finden, die Führungsetagen blieben aber exklusive Männerzirkel. Frauen würden auch öfter im öffentlichen Dienst oder in kleineren Betrieben arbeiten, die weniger Geld zahlen als große Unternehmen.

Ein weiterer Grund sei, dass „typische Frauenfächer“ wie die Geistes- und Erziehungswissenschaften „mit einem geringen Einkommen einhergehen“, schreiben Leuze und Strauß. Die Autorinnen führen das darauf zurück, dass Fächer wie die Sozial- und Erziehungswissenschaften „kulturell entwertet“ seien. Tief sitzende Geschlechter- und Rollenschemata würden immer noch suggerieren, dass solche Berufe vor allem „aus Zuneigung und Verpflichtung“ gewählt würden und dementsprechend weniger Gehalt verdienten. Hier müssten Bund und Länder dringend gegensteuern. Eine weitere Abwertung dieser Berufe werde auch der Gesellschaft insgesamt schaden.

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