Studie zu Diskriminierung : Ausgegrenzt an Schulen und Unis

Der aktuelle Bericht der Antidiskriminierungstelle des Bundes zeigt, wie Migranten, Behinderte und Homosexuelle in Schulen, Hochschulen und in der Arbeitswelt ausgegrenzt werden.

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Schülerinnen und Schüler spielen auf dem Schulhof.
Miteinander. Die Antidiskriminierungsstelle, die den Bericht vorlegt, gibt auch Empfehlungen, wie Vielfalt in Schulen und...Foto: Thilo Rückeis

Schüler mit türkischen oder arabischen Wurzeln werden pauschal als „Machos“ diffamiert. Schülerinnen müssen sich anhören, sie seien „Kopftuchmädchen“ und würden „künftig zwangsverheiratet“. Das geht aus Beschwerden und Beratungsanfragen von Schülern und Eltern hervor, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes jetzt für eine Studie über die Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben (hier die gesamte Studie) ausgewertet hat. Grundlage des Berichts, der am Dienstag dem Bundestag vorgelegt wurde, sind darüber hinaus aktuelle Umfragen und Studien sowie Expertengespräche. Jeder vierte Schüler, aber auch ein Viertel der Studierenden mit Migrationshintergrund fühlt sich demnach an Schulen und Hochschulen diskriminiert – von Mitschülern, Kommilitonen, von Lehrkräften und Dozenten.

Ebenfalls stark von Herabsetzungen betroffen sind Homosexuelle. Durch Schulhofbeschimpfungen werde ihnen „oft jedwedes Selbstwertgefühl genommen“. Auf Berliner Schulhöfen sind einer Umfrage zufolge „schwul“, „Schwuchtel“ oder „Lesbe“ gängige Schimpfwörter. Doch auch ein Drittel der Lehrer mache sich nach Schülerangaben über sexuelle Orientierungen lustig. Rund 39 Prozent lesbischer oder bisexueller junger Frauen gaben an, mindestens einmal von Mitschülern und Mitschülerinnen gemobbt worden zu sein. Sogar 72,6 Prozent sahen sich aufgrund ihrer Lebensweise im Bildungsbereich „vergleichsweise schlechter beurteilt“. Unter den Schülern und Studierenden mit Behinderungen haben sechs Prozent Benachteiligungen erlebt. Von Diskriminierungen betroffen sind auch Kinder aus sozial schwachen Familien, denen suggeriert wird, sie würden „wie ihre Eltern enden“.

Werden Kinder diskriminiert, leiden auch die Leistungen

Alle Formen der Diskriminierung beeinträchtigten insbesondere die Leistungen der Schüler, warnt die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders. „Deutschland kann es sich nicht leisten, ganze Gruppen nicht chancengerecht teilhaben zu lassen.“ Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel brauche das Land jeden qualifizierten Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung, Geschlecht, Behinderung, aber auch sozialer Herkunft.

Doch neben verbalen Diskriminierungen werden vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oder mit Behinderungen auch institutionell benachteiligt. Sie hätten häufig nicht die gleichen Chancen beim Zugang zum Kindergarten, zu Schule und Hochschule, aber auch nicht beim Übergang zwischen den Bildungseinrichtungen, heißt es. Zu sozialer Segregation führe es, wenn Eltern aus „armen“ Stadtteilen mit einem hohen Migrantenanteil vor allem Kitas in der Nachbarschaft wählen, an denen die Kinder dann unter sich bleiben.

In Schulbüchern kommen Regenbogenfamilien nicht vor

Rechtliche Barrieren erschweren etwa Kindern ohne gesicherten Aufenthaltsstatus den Zugang zur Schule. Für neu ankommende ausländische Schüler fehlten spezielle Angebote. Behinderte Kinder fänden vielfach keinen Platz an einer Regelschule. So besuchen zwar 68 Prozent aller Kinder mit Behinderung eine reguläre Kita, bei den Grundschülern ist es aber nur noch gut ein Drittel, in der Sekundarstufe nur knapp 18 Prozent. Und auch Eltern mit Migrationshintergrund empfinden es oft als nicht gerechtfertigt, dass ihre Kinder einer Förderschule zugewiesen werden.

Wie subtil die Diskriminierung ablaufen kann, zeigt die Analyse von Lehrplänen und Schulbüchern. In Literatur, Geschichte und Sozialkunde werden Werke und Leistungen weißer Deutscher besprochen, heißt es. Schwarze deutsche Geschichte, ihre Vertreter und Werke bleiben unbehandelt. In Lesefibeln folgen Familien ausschließlich heterosexuellen Lebensmodellen. Regenbogenfamilien kommen nicht vor.

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