Studie zu politischen Präferenzen : Rechte Einfalt

17.02.2012 12:02 Uhrvon

Wer weniger intelligent ist, tendiert eher zu stramm konservativen Positionen, ist anfälliger für Rassismus und Homophobie. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Studie britischer Psychologen hervor.

"Politische Überzeugungen sind Ausdruck der eigenen Persönlichkeit"

In der psychologischen Forschung wurden solche Haltungen eher mit klassischen Persönlichkeitsmerkmalen als mit Intelligenz verknüpft. Schon die Sozialforscher Theodor W. Adorno und Max Horkheimer hatten 1950 in ihren Studien zum Vorurteil von einem typischen „autoritären Charakter“ gesprochen. In den 90er Jahren dann stellte der Psychologe Rainer Riemann von der Uni Bielefeld einen Zusammenhang zwischen konservativer politischer Einstellung und schwacher Aufgeschlossenheit für neue Erfahrungen und Werte fest. Der Grad, in dem ein Mensch für Neues offen ist, ist eines der fünf wichtigen Persönlichkeitsmerkmale. „Politische Überzeugungen sind Ausdruck der eigenen Persönlichkeit“, folgert Riemann. In einer Zwillingsstudie fand er heraus, dass eineiige Zwillinge zeitlebens politisch weit mehr übereinstimmen als zweieiige – deutlicher Hinweis auf den Einfluss der Gene.

Inzwischen lassen sich auch Zusammenhänge zwischen politischer Haltung und Hirnstruktur erkennen. 2011 hat der Neurowissenschaftler Ryota Kanai von der Universität von London eine Studie veröffentlicht, für die er 118 Freiwillige zu ihrer politischen Einstellung befragte und ihnen anschließend per Magnetresonanztomografie ins Gehirn schaute.

Bei denjenigen, die aufgrund der Befragung am konservativen Ende einer fünfteiligen Skala verortet wurden, hatte der rechte Mandelkern ein auffällig großes Volumen. Das Hirnareal gehört zum limbischen System und wird besonders bei Angst und in Gefahr aktiv. Versuchsteilnehmer, die am anderen Ende der Skala mit besonders liberalen und „linken“ Auffassungen auffielen, hatten dafür einen auffallend voluminösen vorderen Gyrus cinguli. Diese Region des Gehirns ist für Mitleid und die Fähigkeit zur Einfühlung in andere bedeutsam.

Ob diese Unterschiede zwischen den für Gefühle zuständigen Gehirnregionen der eher „links“ und der eher „rechts“ orientierten Versuchsteilnehmer schon in der Kindheit bestanden, ist eine andere Frage. Für die geistigen Fähigkeiten von Menschen, die eher autoritärem und rechtsextremem Gedankengut zuneigen, konnten Hodson und Busseri das nun allerdings zeigen. Deren Fähigkeit zu abstraktem Denken liegt im Alter von zehn bis elf Jahren auffallend oft unter dem Durchschnitt. Dass Erziehung und Bildung für die späteren politischen Anschauungen unbedeutend wären, ist damit nicht gesagt. Nur müssen sie Herz und Verstand der Adressaten erreichen.

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