• Studienfinanzierung: Schavans Deutschlandstipendium lahmt: Hälfte der Mittel verfällt

Studienfinanzierung : Schavans Deutschlandstipendium lahmt: Hälfte der Mittel verfällt

Das Ziel, im ersten Jahr fast 10 000 Stipendien von privaten Sponsoren einzuwerben, wurde weit verfehlt. Sieben Millionen Euro verfallen im Haushalt von Bundesbildungsministerin Schavan

Anja Kühne
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)Foto: dapd

Das neue Deutschlandstipendium hat einen schwachen Start. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kann nur die Hälfte der dafür eingeplanten 14 Millionen Euro aus ihrem Etat ausgeben, die andere Hälfte muss verfallen. Das geht aus einer Antwort von Schavans Parlamentarischem Staatssekretär Helge Braun auf eine Anfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Hagemann hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Bis zum 1. November gab es demnach erst 5244 Deutschlandstipendiaten. Das Ziel waren aber 9440 Stipendiaten. Das hätte einem Anteil von 0,45 Prozent an allen Studierenden entsprochen. Die Stipendien können jedoch nur vergeben werden, wenn sich neben dem Bund auch ein privater Spender findet. Die Hochschulen sollen solche Sponsoren, zum Beispiel Unternehmen, gewinnen. Die monatlich 300 Euro teilen sich Bund und Sponsor zwar der offiziellen Sprechweise nach. Tatsächlich aber entfallen auf den Bund zwei Drittel, weil die Unternehmen die Kosten von der Steuer absetzen können.

Das einzige Land, das Schavans Quote erreicht hat, ist das Saarland. Alle anderen Länder verfehlen das Ziel, meist weit. So sollten die Berliner Hochschulen, die im Wintersemester 2009/20010 knapp 140 000 Studierende hatten, bis zum Jahresende 637 Deutschlandstipendien von privaten Sponsoren einwerben. Tatsächlich sind es erst 165, das entspricht rund 0,1 Prozent aller Berliner Studierenden. Hamburgs Hochschulen sollten Schavans Plan zufolge 328 Stipendien einwerben, haben aber erst 16 an Land gezogen. Niedersachsen kommt seinem Ziel (647 Stipendien) nahe: Seine Hochschulen haben 526 Deutschlandstipendien eingeworben. Bremen schaffte immerhin 123 Stipendien, die Zielmarke lag bei 140.

Einen weiten Weg zu gehen haben dagegen noch Thüringen (Soll: 236, Ist: 97), und Brandenburg (Soll: 223, Ist: 71). Selbst Hochschulen in den beiden wirtschaftsstarken Ländern Bayern und Baden-Württemberg fanden nicht annähernd genug Sponsoren. Baden-Württemberg konnte 715 Stipendien einwerben (geplant waren 1231), Bayern kam auf 797 (geplant: 1199). Im kommenden Jahr soll die Zahl der Stipendiaten nach Schavans Plänen auf ein Prozent an allen Studierenden ansteigen.

Wie viele Bafög-Empfänger das Deutschlandstipendium bekommen, will das Ministerium erst im zweiten Quartal des Jahres 2012 bekannt geben.

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