Studiengebühren : Göttinger Studenten gegen Gebühren

Studierende an der niedersächsischen Uni Göttingen lehnen aus ihren Beiträgen finanzierte Projekte größtenteils ab.

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Die Studierenden entscheiden über die Verwendung der Gebühren mit, sind aber unzufrieden. Foto: Promo/Uni Göttingen

Die Unis in Niedersachsen gehörten 2007 bundesweit zu den ersten, die 500 Euro Studiengebühren erhoben haben. Um bei den Studierenden um Zustimmung zu werben, boten die Unileitungen ihnen an, sich an der Verteilung der Gebühren zu beteiligen. In Göttingen etwa sind die Gremien, die über den Einsatz der Mittel entscheiden, zur Hälfte mit studentischen Vertretern besetzt. Und es gibt einen Ideenwettbewerb für Projekte, die finanziert werden sollen. Dass die Studierenden gleichwohl mehrheitlich Gebühren ablehnen, zeigt eine aktuelle Umfrage der Uni Göttingen: Nur 5,5 Prozent sprechen sich danach uneingeschränkt für die Studienbeiträge aus. An der Umfrage beteiligt haben sich im Dezember knapp 4000 der insgesamt 24 000 Göttinger Studierenden.

Dezidiert gegen Gebühren sind 49 Prozent – und weitere 21 Prozent sind „vorwiegend dagegen“, teilte die Hochschule jetzt mit. Teilweise Zustimmung äußerte dagegen nur ein Viertel der Studenten. 78 Prozent der Befragten erklärten allerdings, dass sie zumindest von einem Teil der gebührenfinanzierten Maßnahmen profitiert hätten.

Rund sieben Millionen Euro nimmt die Hochschule im laufenden Semester aus den Studienbeiträgen von in der Regel 500 Euro pro Studierendem ein. Finanziert wurde damit unter anderem die „Lernlandschaft“, Räume, in denen Studierende gemeinsam lernen und arbeiten können. Knapp 700 000 Euro kostete im vergangenen Jahr der Umbau des „Verfügungsgebäudes“ mit neuen Arbeitsplätzen und Sitzecken.

Gerade dieses Angebot wird von den Studierenden für nicht sehr sinnvoll gehalten. Während zusätzliche Lehrkräfte und Tutorien auf einer Skala von 1 (sehr sinnvoll) bis 5 (nicht sinnvoll) Werte um 1,8 erreichen, bekommen die Lernlandschaften nur eine 2,8. Noch schlechter bewertet werden die Anschaffung neuer Möbel und die Sanierung von Gebäuden (3,2). Eher negativ gesehen werden auch Leistungsstipendien und E-Learning-Projekte. Positiver bewertet haben die Studierenden Notfallstipendien, Zuschüsse zu Druck- und Kopierkosten sowie zu Unterrichtsmaterialien.

Die aufwendigste Maßnahme ist der Ausbau der Studiendekanate. Die Uni gibt dafür 800 000 Euro pro Semester aus, 80 Prozent kommen aus den Gebühren, 20 Prozent aus Haushaltsmitteln. Die drei Jahre amtierenden Studiendekane werden von hauptamtlichen Referenten unterstützt, die kontinuierlich an der Verbesserung der Studienbedingungen arbeiten sollen. Gleichzeitig bekommen die Dekane zusätzlich eine halbe wissenschaftliche Mitarbeiterstelle als Kompensation für zeitliche Einbußen zulasten ihrer Forschung. Auch die Studien- und Prüfungsberatung wurde personell aufgestockt.

In der Umfrage stand das gesamte Dekanats-Paket nicht zur Diskussion, gefragt wurde nur nach Beratung und Prüfungsbetreuung – und da gab es wiederum keine hohen Zustimmungswerte der Studierenden. Amory Burchard

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