Studienplatzvergabe : Start des neuen Bewerbungsportals erneut verschoben

Es sollte Abiturienten die Studienplatzsuche erleichtern. Doch der Start des neuen bundesweiten Bewerbungssystems ist jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben. Schuld sind massive technische Probleme.

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Wir wollen hier rein. Ein neue Portal sollte Bewerbern schneller zum Studienplatz verhelfen. 15 Millionen Euro hat der Bund dafür ausgegeben.
Wir wollen hier rein. Ein neue Portal sollte Bewerbern schneller zum Studienplatz verhelfen. 15 Millionen Euro hat der Bund dafür...Foto: dapd

Anders als geplant wird das System zum Wintersemester 2012/2013 lediglich als „Pilotbetrieb“ weniger Unis gestartet. Die Zahl der Hochschulen ist noch offen. Das geht aus dem Beschluss des Stiftungsrats der für das System zuständigen Stiftung für Hochschulzulassung (ehemals ZVS) hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt. Ein konkreter Termin für einen vollständigen Start wird in dem Beschluss nicht genannt. Es ist lediglich davon die Rede, „mittelfristig eine flächendeckende Teilnahme zu realisieren“.

Über das Internetportal „Hochschulstart.de“ sollen sich Abiturienten bundesweit zentral für NC-Fächer bewerben können, es soll die Vergabe von Studienplätzen wesentlich verkürzen. Der Bund hat dafür 15 Millionen Euro ausgegeben. Eigentlich sollte das Portal bereits zu diesem Wintersemester starten, doch wie berichtet haben technische Probleme das Projekt immer wieder verzögert. Auch jetzt sind die Probleme offenbar massiv gewesen. Lediglich „etwa 40 Hochschulen“ seien derzeit technisch in der Lage, sich an dem System zu beteiligen, heißt es in dem Beschluss. Bei dem großen Rest der Hochschulen - etwa 150 - habe dagegen erneut die Anbindung der Uni-Software an das neue Zulassungssystem nicht geklappt.

Die Vorwürfe richteten sich dabei nicht gegen die Firma T-Systems, die das neue System entwickelt hat. Vielmehr wird in dem Beschluss die staatseigene Hochschul-Informations-Service (HIS) GmbH für das technische Versagen verantwortlich gemacht. HIS betreibt die bestehenden Softwaresysteme der Hochschulen. Technische Tests im November hätten gezeigt, dass bei keinem der HIS-Produkte „ein vollständiges Verfahren durchführbar war“, heißt es. „Da die meisten Hochschulen in Deutschland mit HIS-Software arbeiten, ist die Schnittstellenproblematik für die Mehrzahl der Hochschulen nicht gelöst“, rügt der Stiftungsrat. Die mit dem neuen System angestrebten Ziele könnten daher für das Wintersemester 2012/2013 „nicht gewährleistet werden“.

Ob das neue System überhaupt jemals komplett an den Start gehen wird, geht aus dem Beschluss nicht hervor. Die 40 Hochschulen, die derzeit technisch zur Teilnahme in der Lage sind, könnten jetzt an dem Pilotbetrieb teilnehmen. Die Stiftung für Hochschulzulassung biete dafür „Beratung und Unterstützung“ an, heißt es. Wenn „möglichst viele“ dieser Hochschulen im Testbetrieb teilnähmen, könne man umso besser „wichtige Erkenntnisse über Optimierungspotenziale“ erhalten. Allerdings werden auch im Testbetrieb nicht alle Fächer berücksichtigt, sondern nur Einfachstudiengänge. Der Kombinationsbachelor – bei dem Studierende zwei oder mehr Fächer kombinieren - bleibt außen vor. Auch diese 40 Hochschulen müssten also weiterhin zwei verschiedene Bewerbungssysteme vorhalten. Ob sie das sich selbst und den Bewerbern zumuten wollen, darf bezweifelt werden.

Zum weiteren Zeitplan heißt es lediglich, „mit fortschreitender Anbindung von Hochschulen“ werde das Verfahren für das Sommersemester 2013 und das Wintersemester 2013/14 „sukzessive ausgebaut, um mittelfristig eine flächendeckende Teilnahme zu realisieren“.  Die Stiftung werde „gebeten zu prüfen, inwieweit alternative Anbindungs- bzw. Verarbeitungsverfahren die Situation zukünftig verbessern können“.

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