Wissen : Studieren im Berufsleben

Die Deutsche Universität für Weiterbildung eröffnet mit Master-Studiengängen und Zertifikatsprogrammen

Sabrina Wendling
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Das Selbststudium können die Teilnehmer eigenständig neben ihrem Berufsalltag organisieren. Fotos: David Ausserhofer (3)

Anja hat ihren Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre gemacht. Nach ihrem Studium wollte sie erst einmal Erfahrungen im Berufsleben sammeln und arbeitete in der Controlling-Abteilung eines großen Logistikunternehmens. Nun ist sie Anfang 30 und strebt eine Führungsposition an. Die kommenden zwei Jahre will sie weiter in ihrer alten Position arbeiten und zeitgleich ein berufsbegleitendes Master-Studium absolvieren: „Compliance“ heißt der Studiengang, der sie ihrem Ziel näher bringen soll. Er ist eines von drei Master-Programmen, die die Deutsche Universität für Weiterbildung zunächst anbietet. Die bundesweit erste Hochschule dieser Art nimmt im Oktober in Dahlem ihren Betrieb auf.

Die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) ist eine Public Private Partnership und wird zu gleichen Teilen von der Freien Universität Berlin und der Stuttgarter Klett-Gruppe getragen. „Die demografische Entwicklung, der Weiterbildungsbedarf durch beschleunigte Produktzyklen und die anhaltende Aufstiegsbereitschaft waren und sind gute Voraussetzungen für die Schaffung eines Qualifizierungsangebots in einer eigenen Weiterbildungsuniversität“, sagt Professor Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität. „Qualitätsgarantie der Freien Universität Berlin und Betriebserfahrungen der Klett-Gruppe mit Fachhochschulen im Weiterbildungsbereich sind eine gute Voraussetzung für das Gelingen.“

Die Grundidee der DUW ist ganz einfach: Wer bereits einen ersten Studienabschluss und Berufserfahrung hat, der kann weiterhin arbeiten und nebenher studieren. Ada Pellert, Präsidentin der DUW und Professorin für Weiterbildungsforschung, ist überzeugt davon, dass Arbeitgeber es zu schätzen wissen, wenn sich ihre Mitarbeiter für ihr berufliches Fortkommen weiterbilden: „Die Studierenden können das Wissen, das sie im Master-Studium erwerben, direkt einbringen in ihren Berufsalltag.“

Zunächst sind drei Master-Studiengänge geplant: „Compliance“, „Bildungs- und Kompetenzmanagement“ sowie „Drug Research and Management“. Hinter „Compliance“ verbirgt sich die betriebliche Regelkonformität als Aufgabe des Managements. Bestechungsskandale, Überwachungsaffären und Datenklau sind die häufigsten Folgen mangelnder Regelkonformität. Der Master-Studiengang „Compliance“ richtet sich an Fach- und Führungskräfte an der Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft, die den Überblick über internationale Gesetze und Vorschriften behalten und die Einhaltung von Regeln in Betrieben durchsetzen wollen.

Dem Master-Studiengang „Bildungs- und Kompetenzmanagement“ liegt das Anliegen zugrunde, dass Mitarbeiter in der modernen Arbeitswelt ihr Wissen und ihre Kompetenzen ein ganzes Berufsleben lang weiterentwickeln. Der Studiengang richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus dem Personal- und Bildungswesen. Auf dem Lehrplan steht unter anderem der Erwerb strategischer und didaktischer Kompetenzen auf Basis neuer Bildungs- und Lerntheorien sowie deren Anwendung im Beruf.

„Drug Research and Management“ trägt der Entwicklung des Arzneimittelmarkts Rechnung, auf dem sich neben großen Pharmakonzernen zunehmend mittelständische Unternehmen befinden. Die Erfolgschancen eines Medikaments hängen nicht allein von seiner medizinischen Entwicklung, sondern auch von seinem ökonomischen Nutzen ab. Der Studiengang zielt darauf, Absolventen naturwissenschaftlicher Studiengänge branchenrelevante Managementkompetenzen zu vermitteln. Er wird betreut von Monika Schäfer-Korting, Vizepräsidentin der Freien Universität und Professorin am dortigen Institut für Pharmazie, die neben zahlreichen Experten aus der Praxis für die Lehre des Programms verantwortlich zeichnet.

Der DUW angegliedert sind zwei Forschungseinrichtungen, zum einen das Institut für „Compliance, Sicherheitswirtschaft und Unternehmenssicherheit (FORSI)“, zum anderen die Forschungsstelle für „Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement“. An diesen Einrichtungen sind, wie auch an den Studiengängen, neben Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern der DUW Wissenschaftler der Freien Universität und aus weiteren Hochschulen beteiligt.

Die Master-Studiengänge sind auf zwei Jahre angelegt und kosten jeweils 15 000 Euro. Regelmäßig erhalten die Teilnehmer eigens entwickelte Studienhefte, die sie im Selbststudium erarbeiten. Auf dem „Online-Campus“ treffen sich die Studierenden virtuell, bearbeiten Online-Einheiten und können in Foren miteinander sowie mit ihren Betreuern kommunizieren. Ungefähr viermal jährlich finden Präsenzveranstaltungen in Berlin statt.

Wem die Zeit oder Muße für ein komplettes Studium fehlt, der kann sich auch mithilfe einzelner Zertifikatsprogramme weiterbilden, etwa in Organisations- und Personalentwicklung, Führungskompetenz, Personal Skills und Interkulturelle Kommunikation. Die einzelnen Programme sind auf zwei bis acht Monate ausgerichtet, die Kosten liegen zwischen rund 1900 und 7000 Euro. Wer sich für ein Studium an der DUW im Oktober interessiert, kann sich noch bis Ende September bewerben. Der Studienstart ist quartalsweise möglich.

Im Internet: 

www.duw-berlin.de

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