Studieren in Berlin : Mehr als die Hälfte der Studenten kommt von außerhalb

Die meisten Studierenden in Berlin haben ihr Abitur nicht in Berlin gemacht. Werden die Landeskinder von den Studienplätzen verdrängt?

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Schritt halten. Der Numerus clausus ist für viele das entscheidende Hindernis.
Schritt halten. Der Numerus clausus ist für viele das entscheidende Hindernis.Foto: imago stock and people

Alles strömt zum Studium nach Berlin – Pech für die Berliner Abiturienten, die gerne hier studieren wollen, sich mit ihrer Abiturnote gegen die Mitbewerberinnen und Mitbewerber aus anderen Bundesländern aber nicht durchsetzen können. Von den Neuankömmlingen an Berlins Unis, also jenen Studierenden, die erstmals ein Studium aufnehmen, hatten im vergangenen Jahr nur 46,5 Prozent ein Berliner Abi. Das heißt, mehr als die Hälfte der Studienplätze in Berlin wird von Absolventen mit Nicht-Berliner Abi eingenommen.

Wie viele studierwillige Berlinerinnen und Berliner dadurch tatsächlich verdrängt werden, lässt sich aber nicht sagen. Denn eine Statistik, die den Ort des Abis und zugleich den Wunschort des Studiums erhebt, gibt es nicht. So bleibt auch offen, ob die Berliner, die zum Studium in andere Bundesländer abwandern, dies nur gezwungenermaßen tun oder aus freien Stücken. Im Dunkeln liegt auch, ob manche studieninteressierte Berliner, die keinen Platz an einer Berliner Hochschule bekommen, dann auf eine Berufsausbildung umschwenken.

Der Berliner Abischnitt liegt bei 2,4. Das reicht für viele Fächer nicht

Ein Indiz dafür, dass tatsächlich Landeskinder (also Studieninteressierte mit Berliner Abi) verdrängt werden, ist aber der Numerus clausus an Berliner Hochschulen – eine Hürde, die eben nicht alle Abiturienten schaffen. Der Berliner Abischnitt liegt bei 2,4. Doch allein an der TU brauchte man jetzt für zwei Drittel aller NC-Studiengänge einen besseren Notenschnitt: für Wirtschaftsingenieurwesen etwa eine 1,8, für Biotechnologie eine 1,9, für Maschinenbau eine 2,1.

Für BWL braucht man eine 2,0

Auch an der FU sind die Auswahlgrenzen in begehrten Fächern hoch. Zwar gibt es dort nicht den „einen“ Grenzwert, weil die FU für den größeren Teil ihrer Studienplätze die Abiturnoten mit anderen Kriterien wie Praktika oder bestimmten Leistungskursen verrechnet. Die FU gibt daher „Notenkorridore“ an, in denen man noch einen Platz bekommt. Für BWL lag dieser Korridor zu diesem Wintersemester zwischen 1,7 und 2,2, für Psychologie zwischen 1,0 und 1,5, für Publizistik zwischen 1,5 und 1,7. An der HU, wo die aktuellen NC-Werte noch nicht feststehen, mussten Bewerber im vergangenen Jahr für Psychologie mindestens eine 1,1, für Jura eine 1,7, für BWL eine 2,0 und für Germanistik eine 2,3 mitbringen.

Selbst wenn Berlin tausende neuer Studienplätze geschaffen hat, könnten es immer noch viel mehr sein, wollte man alle Studienwünsche befriedigen. Dass Berlin die Studienplätze zuerst an Berliner Abiturienten vergibt und den Rest mit auswärtigen Abiturienten auffüllt, verbietet jedoch die Verfassung: Die Bundesländer dürfen ihre Landeskinder nicht bevorzugen, auch nicht bei der Zulassung zum Studium.

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