Wissen : Studierende blockieren Straße in Berlin

An der TU ist manchen der Protest zu lahm

Friederike Schröter (mit dpa)

Bisher ist sie nicht besonders aufgefallen unter den Berliner Universitäten, die auf sich aufmerksam machen wollen in den letzten Tagen und Wochen. „Alle denken von uns: Die Ingenieure, die wollen vom Bildungsstreik sowieso nichts wissen“, beschwerte sich einer der Aktiveren auf der Vollversammlung der Studierenden der TU Berlin. Dabei hatten auch die TU-Studierenden ihr Audimax besetzt – bis vor einer Woche, da haben sie aufgegeben. „Wir haben es nicht geschafft, das Ganze zu einer Mitmach-Besetzung zu machen“, steht auf den bunten Flugblättern, die sie heute zur Erklärung verteilen. „Wir hätten im Laufe der Besetzung mehr werden müssen, nicht weniger, wie es der Fall war.“

Trotzdem wurde gestern nochmals zu einer Vollversammlung der Studierenden geladen. Etwa 150 Studenten trudeln gegen 14 Uhr ins Audimax der TU ein. Manche werfen nur einen Blick in den Saal und verschwinden wieder. Das größte Aufsehen erregt ein Filmteam des ZDF. Sonst herrscht eher einvernehmliche Gleichgültigkeit.

Während in den hinteren Bänken über die aktuellen Hausaufgaben diskutiert wird, versuchen auf dem Podium die ersten Sprecher ihre Kommilitonen zu motivieren. „Schön, dass ich heute nicht allein hier bin“, beginnt der Moderator die Veranstaltung. Zwei Besetzer der FU berichten von ihrem Stand der Dinge und ein Gewerkschafter bejubelt die Erfolge für die Gebäudereiniger. Doch nichts will die Studenten so richtig aus der Reserve locken.

Doch dann fallen ein paar entscheidende Sätze: „Die ganzen Besetzungen bringen doch nicht wirklich etwas“, ruft ein Student aus dem hinteren Drittel des Saals. „Sie bringen Öffentlichkeit, aber wir müssen einmal richtig Druck ausüben. Wir müssen einfach mal raus gehen und zum Beispiel die Straße des 17. Junis besetzen!“, ruft er ins Mikrofon.

Nach einer kurzen Phase der Irritation scheint sich so etwas wie Erleichterung breit zu machen. Ohne weitere Diskussion packen die Studenten ihre Hausaufgaben ein und bewegen sich in Richtung Hauptausgang. Der Moderator ruft ihnen noch die Regeln für unangemeldete Demonstrationen hinterher, da stehen sie schon auf den beiden Fahrbahnen der Straße des 17. Juni vor dem Hauptgebäude der TU. Innerhalb von wenigen Sekunden staut es sich. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“, rufen sie, noch leicht unsicher.

Wenig später schon bewegt sich der Tross in Richtung Ernst-Reuter-Platz. Die Polizei kommt und regelt den Verkehr um die etwa 150 Studenten herum, die zwei Runden entgegen der Fahrtrichtung um den Platz marschieren. Dann kehren sie zurück zum Hauptgebäude. Es ist gerade 15 Uhr 45 und unzählige Studenten strömen aus ihre Veranstaltungen über die Straße. Doch sie gehen nur lächelnd vorbei an ihren protestierenden Kommilitonen. Dann verlässt auch die Polizei die Gruppe: Der Verkehr fließt jetzt woanders lang. Schließlich löst sich die Spontandemo langsam auf. 

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