Studierendenzahlen : Mehr Bewerbungen für Unis in Berlin

An allen Berliner Unis sind auch für das kommende Semester die Bewerberzahlen gestiegen. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort. Zu mehr Studierenden muss das aber nicht zwangsläufig führen.

Tilmann Warnecke

Die Berliner Hochschulen haben zum Wintersemester erneut mehr Bewerbungen erhalten. Nach ersten Zählungen flatterten allein der Humboldt-Universität 28 500 Bewerbungen ins Haus, gut 4500 mehr als im letzten Jahr. An der Freien Universität trafen „deutlich mehr“ als 30 000 Bewerbungen für das kommenden Semester ein, wie ein Sprecher jetzt mitteilte. Letztes Jahr waren es noch knapp 30 000. Die Technische Universität zählte 12 000 Bewerbungen, vergangenen Winter waren es 10 000. An der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik (FHTW), Berlins größter Fachhochschule, stieg die Zahl um 2000 auf 8000, an der Technischen Fachhochschule um zehn Prozent auf knapp 7000.

Der Trend der letzten Semester geht damit weiter: Seit Jahren steigt die Zahl der Bewerbungen kontinuierlich – und übertrifft die Zahl der Studienplätze damit um ein Vielfaches. So bietet die FU 4200 Erstsemesterplätze an, die HU 4000, die TU 3600. An der FHTW gibt es Plätze für etwa 1600 Studienanfänger.

Müssen Abiturienten also fürchten, dass es im Vergleich zum Vorjahr deutlich schlechtere Chancen gibt, in Berlin einen Studienplatz zu ergattern? Nicht unbedingt, heißt es aus den Unis. Denn es ist ungeklärt, ob die steigenden Bewerbungszahlen auch bedeuten, dass tatsächlich immer mehr Abiturienten an die Hochschulen drängen. Die Unis erklären die Bewerbungsflut vielmehr auch damit, dass viele Schulabgänger sich inzwischen mehrfach bewerben, was die Zahlen in die Höhe treibt. Für die Hochschulen bedeutet das, dass ihnen viele Bewerber auch wieder absagen, weil sie doch lieber woanders studieren wollen. So kommt es dazu, dass in den vergangenen Semestern selbst in beliebten Massenfächern trotz steigender Bewerbungszahlen immer wieder Plätze frei blieben.

Die Hochschulen versuchen deswegen verstärkt, die Bewerber an sich zu binden. Die TFH verschickt seit neuestem Mappen an die Bewerber, sobald deren Unterlagen eingehen. Darin wird ihnen erklärt, wie groß ihre Chancen auf einen Platz sind und wie die Platzvergabe funktioniert. Auf der Internetseite der FHTW können sich Bewerber informieren, wie der Stand ihrer Bewerbung ist.

Könnten Studiengebühren, die im Winter in sieben Bundesländern genommen werden, ein Grund dafür sein, dass Bewerber in die Hauptstadt ausweichen? Hier müssen Studierende noch nicht zahlen. An den Berliner Unis wird das für möglich gehalten. Gleichwohl steigen die Bewerbungszahlen auch an Hochschulen, die Gebühren verlangen. Aus der Ludwig-Maximilians-Uni München heißt es, es gebe „definitiv mehr“ Bewerbungen. An der Uni Köln seien für etwa 5000 Plätze 18 000 Bewerbungen eingegangen, sagt eine Sprecherin – eine Steigerung um 20 Prozent im Vergleich zum letzten Winter.

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