Studium : Berlin - Paradies für Hilfskräfte

Sie geben Tutorien, kümmern sich um die Uni-Computer oder helfen bei Laborversuchen – studentische Hilfskräfte tragen entscheidend dazu bei, den akademischen Betrieb am Laufen zu halten. In vielen Bundesländern bekommen sie nur wenig Geld, allein Berlin zahlt vorbildlich.

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Hilfe im Labor. Viele Professoren stützen sich auf Studierende. Foto: Thilo Rückeis
Hilfe im Labor. Viele Professoren stützen sich auf Studierende. Foto: Thilo Rückeis

Laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ist jeder vierte erwerbstätige Student als Hilfskraft an seiner Hochschule angestellt. Die Jobs sind wegen ihrer Nähe zum Studium attraktiv. Eben das führt aber dazu, dass die Hochschulen es sich leisten können, schlechte Konditionen zu bieten: Kurzzeitverträge, unbezahlte Überstunden oder geringe Löhne machen vielen Hilfskräften zu schaffen. Doch der Widerstand wächst. Vielerorts kämpfen Hilfskräfte für eine angemessene Bezahlung. Ihr Vorbild: Berlin.

Seit über 30 Jahren gibt es hier einen eigenen Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte, damals mit Warnstreiks durchgesetzt und Mitte der achtziger Jahre per „Tutorenstreik“ verteidigt. Eine offizielle Personalvertretung kümmert sich um die Durchsetzung und Erhaltung der Hilfskraft-Rechte. Der Verdienst stimmt: An der Humboldt-Universität bekommt eine Hilfskraft beispielsweise 10,98 Euro die Stunde und 31 Tage Urlaub pro Jahr, mit einem festen Zwei-Jahres-Vertrag.

In anderen Bundesländern ist die Lage deutlich schlechter. An der Universität Erlangen-Nürnberg verdienen Hilfskräfte etwa nur 6,80 Euro die Stunde, obwohl sich die Hochschule im reichen Bayern befindet. Zur Studienfinanzierung reicht das kaum aus. An den meisten hessischen Hochschulen verdienen Hilfskräfte 8,50 Euro pro Stunde. Den geringen Stundensatz begründet man in Nürnberg mit der angespannten Haushaltslage. Würde man die Hilfskräfte besser bezahlen, wären manche Fachbereiche „kaum noch in der Lage, Hilfskräfte einzustellen", sagt eine Sprecherin.

Moritz Husmann studiert Chemie und Bioingenieurwesen in Erlangen und arbeitet dort als Hilfskraft. Trotz der schlechten Bedingungen schätzt er die „Einblicke in den Hintergrund der Uni“, die sein Job ihm bietet. Er ist schon bei seiner dritten Uni-Stelle angelangt und würde sich auch in Zukunft wieder dafür entscheiden.

Damit ist er nicht allein: Oft nehmen Studenten die Jobs an, obwohl sie im Vergleich zu anderen Tätigkeiten schlechtere Bedingungen bieten. Sie versprechen sich von einer Hilfskraft-Stelle andere Vorteile, etwa einen besseren Draht zum Professor oder die Mitarbeit an interessanten Forschungsprojekten.

Diese Vorteile können aber gerade technische Hochschulen nur bedingt ausspielen. Sie stehen in Konkurrenz mit der Wirtschaft, die angehende Informatiker oder Mathematiker mit deutlich besseren Löhnen lockt. Um ihr studentisches Personal zu halten, bewegen sich die Hochschulen dann doch. „Früher haben wir oft händeringend nach Hilfskräften gesucht“, sagt Andreas Mars vom Fachbereich Mathematik der TU Darmstadt. Dort wurden die Stundenlöhne vor zwei Jahren von acht auf neun Euro erhöht. Wer gute Noten oder eine Empfehlung vom Professor vorweisen kann, bekommt sogar elf Euro. In Hessen liegt Darmstadt damit an der Spitze. Seitdem habe sich die Lage merklich entspannt.

Es geht also auch anders – das motiviert schlechter bezahlte Hilfskräfte, für mehr Geld zu kämpfen. In Frankfurt, Marburg oder Potsdam haben sich Hilfskraft-Bündnisse formiert. Studierende der TU Braunschweig demonstrierten im Januar 2009 mit hunderten roten Luftballons für Lohnsteigerungen und die Aufnahme in den Tarifvertrag der Länder. Für FH-Studenten stieg der Stundensatz danach beträchtlich, von knapp fünf Euro auf 8,32 Euro. Der Hauptforderung nach einem Tarifvertrag nahm das allerdings erstmal „den Wind aus den Segeln“, sagt Kai Fricke von der Braunschweiger Initiative.

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