Studium : Berlins starke Fachhochschulen

Von wegen teuer: Im norddeutschen Leistungs- und Kostenvergleich stehen die Fachhochschulen der Hauptstadt gut da. Gelobt wird unter anderem, dass sie viele Studierende erfolgreich zum Abschluss bringen.

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Angewandte Forschung. Beuth-Studenten im Praxisseminar. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Angewandte Forschung. Beuth-Studenten im Praxisseminar.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

In einem Kosten- und Leistungsvergleich unter den norddeutschen Fachhochschulen schneiden drei von vier staatlichen Einrichtungen in Berlin gut ab. Sie sind sowohl in der Forschung und Lehre herausragend als auch ausgesprochen kostengünstig. Das Hochschulinformationssystem (HIS) hat die Fachhochschulen von Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein verglichen. Wie bei wissenschaftlichen Untersuchungen üblich, liegen die Vergleichsdaten mit dem Basisjahr 2009 einige Zeit zurück, was aber ihren Aussagewert nicht schmälert.

Mit einem überdurchschnittlichen Erfolg bei der Zahl der Absolventen und der Drittmitteleinwerbung für die Forschung gehört die Beuth-Hochschule für Technik in Wedding zu den vier norddeutschen Spitzenhochschulen. Ganz vorne liegen auch die Fachhochschule Westküste in Heide (Schleswig-Holstein) und die Fachhochschule Magdeburg-Stendal in Sachsen-Anhalt. Von der Fachhochschule in Flensburg erwarten die Fachleute von HIS den Aufstieg in die Spitzengruppe.

In die Kategorie „besonders forschungsstark“ schaffen es in Berlin die Alice-Salomon-Hochschule (ASH), die hauptsächlich Studierende für Sozial- und Gesundheitsberufe ausbildet, und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Karlshorst/Oberschöneweide. Nur die Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) mit Hauptsitz in Schöneberg schneidet unterdurchschnittlich ab – sowohl in der Forschung als auch in der Lehre. Für dieses magere Ergebnis führt HIS eine Erklärung an: Durch die Übernahme der Berufsakademie sei das Schwergewicht in der Lehre verstärkt worden, aber in der Forschung habe es dadurch keinen Zuwachs gegeben.

Entlastend für die HWR ist auch anzuführen, dass ihre Absolventenquote im Jahr 2009 zwar „unterdurchschnittlich“ war, zwei Jahre zuvor vom HIS aber noch als „durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich“ bezeichnet wurde. Zudem kommt die HWR in anderen Ranglisten wie zuletzt im Mai beim Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) besser weg – auch besser als die Beuth-Hochschule.

Seit den Zeiten, als Thilo Sarrazin Finanzsenator in Berlin war, wird von besonders teuren Hochschulen in Berlin gemunkelt. Die Vergleichszahlen von HIS beweisen das Gegenteil. Besonders teuer sind die Fachhochschulen in den neuen Ländern sowie in Schleswig-Holstein. In der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften liegen die Durchschnittskosten pro Bachelor-Studienplatz bei 6200 Euro. Die Fachhochschule Neubrandenburg kommt auf 9560 Euro, die Fachhochschule Harz auf 8680 Euro und die Fachhochschule Westküste in Heide auf 8540 Euro. In Berlin liegen die Kosten an der Beuth-Hochschule und der Hochschule für Technik und Wirtschaft mit gut 5000 Euro unter dem Durchschnitt.

Die Ausstattungskosten für eine Professur in den Mint-Fächern betragen durchschnittlich 190 000 Euro. Die beiden Berliner Hochschulen für Wirtschaft und Recht und die Beuth-Hochschule liegen unter dem Durchschnittswert. Beuth kommt auf etwa 160 000 Euro. Zum Vergleich: Die Fachhochschule Westküste in Heide sowie die Fachhochschule in Bremerhaven leisten sich für die Ausstattung eines Professors ganze 238 000 Euro.

Drittmittel gelten als der beste Maßstab für die Forschungsstärke von Hochschulen. In der Fächergruppe der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften unter Einschluss der Sprachen wirbt an den Fachhochschulen ein Professor im Durchschnitt 11 600 Euro ein. Über dieser Summe liegen in Berlin die Hochschule für Technik und Wirtschaft, die Alice-Salomon-Hochschule und die Beuth-Hochschule. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht ist laut HIS auch auf diesem Gebiet abgeschlagen.

In Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften erreicht nur die HTW den Mittelwert von 24 000 Euro an eingeworbenen Drittmitteln. Die Beuth-Hochschule erzielt mit über 14 000 Euro rund 60 Prozent des Mittelwerts. Einsame Spitze bei der Einwerbung von Drittmitteln ist die Fachhochschule Westküste in Heide mit 64 200 Euro je Professor.

Der Leistungsvergleich von HIS hat allerdings einen Mangel: Er bezieht sich nach einer Verabredung der Politiker nur auf Norddeutschland und nicht auch auf die starken Fachhochschulen in Baden-Württemberg und Bayern.

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