Studium : Die sieben goldenen Uni-Regeln

Schnell Lerngruppen finden, freundlich zu der Sekretärin sein, Stipendien nutzen – und auch mal Pausen einlegen: So gelingt der Semesterstart für Studierende am besten

Tina Rohowski
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Aufbruch ins Studium. 20 000 Erstsemester beginnen in Berlin mit der Uni. Sie sollten auch die Stadt erleben. Fotos:...

Das Semester beginnt: Für etwa 130 000 Berliner Studierende starten am kommenden Montag wieder Vorlesungen, Kurse und Seminare. Darunter sind gut 20 000 Studienanfänger, die zum ersten Mal an die Uni gehen. Wir haben Studenten, Professoren und andere Mitarbeiter der Berliner Hochschulen gefragt, wie das Studium am besten gelingen kann. Hier die sieben wichtigsten Regeln.

1. Früh Anschluss suchen

Wo ist der richtige Seminarraum? Welche Bücher brauche ich eigentlich? Wie viel sollte ich in der Vorlesung mitschreiben? Für Erstsemester besteht das neue Leben an der Universität vor allem aus Fragen. Als Einzelkämpfer kann die Antwortsuche sehr anstrengend werden. „Man sollte sich möglichst früh nach Lernpartnern oder Freunden umsehen“, rät Wolfgang Müller-Büssow, Studienberater an der TU Berlin. „Das ist zu Beginn des Studiums am einfachsten, weil alle in der gleichen Situation sind.“ Danach schließe sich dieses Fenster; neue Kontakte entstehen seltener. Eine Gruppe kann Lernmaterial austauschen und gemeinsam für Prüfungen lernen.

„Am besten geht das zu dritt oder zu viert“, sagt Müller-Büssow. In größeren Gruppen gebe es dagegen die Gefahr, dass „sich einige zu stark auf der Arbeit der anderen ausruhen“. Auch Günter Ziegler, Mathematikprofessor an der TU Berlin, rät zur Suche nach Gleichgesinnten. Ansonsten entstehe schnell das Gefühl: „Alle kapieren es, nur ich bin zu doof.“ Für Susanne Eckler, Studentin an der Uni Potsdam und Mitglied im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta), sind vor allem Erstsemestertutorien oder der Hochschulsport gute Gelegenheiten, um Verbündete zu treffen. Für Schüchternheit gebe es keinen Grund: „Andere sind meist genauso hilflos wie man selbst.“

2. Sich mit der Verwaltung anfreunden

Professoren sind nicht die einzigen wichtigen Mitarbeiter einer Universität. Auch mit Sekretärinnen oder Sachbearbeitern haben Studierende häufig zu tun. Gute Kontakte können hier vieles vereinfachen oder beschleunigen. „Ein Bibliothekar, den ich länger kenne, legt mir immer die passenden Bücher heraus“, sagt etwa die Potsdamer Studentin Susanne Eckler. Andere Mitarbeiter drücken vielleicht ein Auge zu, wenn ein höflicher Student zu spät in die Sprechstunde kommt, oder helfen, ein wichtiges Formular auszufüllen. Deshalb sollte Freundlichkeit – natürlich nicht nur aus Eigennutz – oberstes Gebot im Umgang mit dem Personal sein. Es komme beispielsweise vor, dass Studenten „ohne Nennung des Namens anrufen und Anliegen vorbringen“, beschreibt Susanne Heinze-Drinda, Mitarbeiterin im Bachelorprüfungsbüro Erziehungswissenschaft an der Freien Universität, eine Situation, die sie ärgert. Als unhöflich empfinde sie auch, „wenn E-Mails unangemessen und gedankenlos formuliert werden“. Heinze-Drinda empfiehlt Studenten, gut vorbereitet in Sprechstunden zu gehen. Dazu gehöre, die Studien- und Prüfungsordnung zu kennen.

3. Vorsichtig netzwerken – auch Professoren surfen im Internet

Fast jeder Student schreibt sich inzwischen nicht nur an seiner Hochschule ein, sondern auch in einem sozialen Netzwerk im Internet. Portale wie „StudiVZ“ oder „Facebook“ können den Start ins Studium erleichtern: Schon vor dem ersten Seminartag verabreden sich künftige Kommilitonen. Wer ein Buch braucht, bittet die virtuelle Gemeinde um Hilfe. Doch Datenschützer warnen vor allzu laxem Umgang mit Netzwerken: Nutzer sind leichte Opfer für nervige Werbeaktionen, Datenhändler oder Online-Stalker. Im Profil sollte daher niemand den Klarnamen angeben, rät der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix. Besser sei ein „Spitz- oder Künstlername“; erst beim persönlichen Kontakt mit anderen Nutzern gibt man sich zu erkennen. Kontaktdaten sollten nur für einen begrenzten Kreis sichtbar sein. Auf Fotos, die Personen zeigen, verzichte man besser ganz, empfiehlt Dix. Laut einer Studie des dimap-Institutes checken 28 Prozent der Unternehmen Bewerber im Internet.

Unter Professoren ist das noch nicht so verbreitet: Der TU-Mathematiker Günter Ziegler hat zwar selbst ein Facebook-Profil; nach Studenten habe er dort aber „noch nie gezielt gesucht“. Er sei lediglich mit Doktoranden im Portal befreundet. Die meisten Professoren hätten nicht einmal eine Profilseite. Dennoch warnt auch Ziegler vor den Tücken des Social Web: „Wenn ein Student kurzfristig eine Prüfung wegen Krankheit absagt und ich zufällig seine Partybilder im Netz sehe, wäre ich schon sauer.“

4. Das Leben außerhalb der Uni genießen

Lernen ist wichtig, aber eben nicht alles. „Gerade in Berlin bietet die Studienzeit doch die Möglichkeit, sich auch neben dem Fach weiterzuentwickeln“, sagt Studienberater Müller-Büssow. Beispielsweise bietet die Stadt etliche Kulturrabatte für Studenten: Im Theater, etwa im Berliner Ensemble, gibt es für sie Karten zum Preis von sieben Euro. Auch Kinos oder Museen bieten günstige Tickets.

„Wer nur lernt, überfordert sich schnell“, hat Müller-Büssow beobachtet. Er rät, bewusst Pausen oder andere Reize einzubauen. „Psychohygiene“ nennt das der Berliner Kulturwissenschaftler und HU-Dozent André Völker: „Zwischendurch muss man sich einfach den Kopf freiblasen.“ Völker selbst hat während seines Studiums Platten mit elektronischer Musik produziert. Von heutigen Berliner Studierenden fordert er, „aus dem Studentenghetto im Prenzlauer Berg herauszukommen“ und andere Seiten der Stadt wahrzunehmen. Seine Tipps: die Heimatmuseen einzelner Stadtteile besuchen, an den Müggelsee fahren oder in einer Eckkneipe einen Urberliner ansprechen. „Sonst ist der Studentenalltag einfach lebensfremd.“

5. Im Plattenbau wohnen

Auf der Suche nach einem WG-Zimmer oder einer bezahlbaren Wohnung müssen Neuberliner einen regelrechten CastingMarathon hinter sich bringen. „Ich habe mehrere Besichtigungen gemacht, zu denen meist zehn oder mehr Leute kamen“, erinnert sich Nikolai Mäkitalo, Lehramtsstudent an der Humboldt-Universität, an seine Zimmersuche vor zwei Jahren. Mäkitalo zog notgedrungen in ein Wohnheim – und erhielt wenig später von einem Kommilitonen einen guten Tipp: Wohnungsgesellschaften im Osten der Stadt bieten Studentenrabatte an, um Leerstände zu vermindern.

Mäkitalo wohnt nun in einer WG in Lichtenberg. Für jedes ihrer vier Zimmer erhalten die Studenten von der Wohnungsbaugenossenschaft Lichtenberg 50 Euro Nachlass pro Monat. Andere Anbieter locken mit halbierten Mieten im ersten Jahr. Mäkitalo kommt auf eine Warmmiete von nur 160 Euro im Monat. „Ich wohne zwar im Plattenbau, aber das Haus ist in gutem Zustand“, sagt er. Im Kiez fühle er sich wohl. In Prenzlauer Berg, Kreuzberg oder Mitte hätte er sicher mehr bezahlt: Dort gab es in den letzten Jahren laut Mietspiegel die größten Preiserhöhungen.

6. Stipendien nutzen

Ein Stipendium – das ist nur was für Überflieger, ist häufig der erste Gedanke. Doch in Deutschland gibt es rund 2200 Stiftungen, die Studenten oder junge Wissenschaftler unterstützen. „Die bekannten Förderwerke bekommen tatsächlich etliche Bewerbungen“, sagt Katrin Kowark, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Daneben gebe es aber etliche Förderer mit speziellem Profil, die seltener nachgefragt werden: „Kleinere Stiftungen haben teils sogar Probleme, geeignete Kandidaten zu finden“, sagt Kowark. Studenten sollten nach einem Stipendium suchen, das auf ihren Lebenslauf passt. Unter www.stiftungen.org/stiftungssuche betreibt der Verband eine Datenbank, die Programme auflistet. Ein Einserstudent muss man für viele Stipendien nicht sein. Ein „08/15-Kandidat“ aber auch nicht, rät Kowark. Der Lebenslauf sollte herausstechen: zum Beispiel durch das Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr oder als Trainer im Sportverein.

7. Job und Uni verbinden

Callcenter-Schichten, Pizzadienst, Bardame – für Studierende gibt es viele Jobs. Doch nicht alle sind eine verlässliche Geldquelle und bieten gute Stundenlöhne. Wer dagegen in Berlin als Hilfskraft an einer Hochschule arbeitet, kann auf den geltenden Tarifvertrag pochen: Knapp elf Euro pro Stunde sichert er den Beschäftigten derzeit zu. Außerdem gibt es Urlaubs- und Krankengeld.

Meist lernen die Hilfskräfte sogar etwas im Job: „Ich werte die wissenschaftliche Literatur aus und bereite Aufsätze mit vor“, sagt Anke Gehrlein, die Sprachwissenschaft an der HU studiert und als Mitarbeiterin in einem Sonderforschungsbereich angestellt ist. Für solche Stellen werden meist Verträge ausgeschrieben, die 40 Arbeitsstunden pro Monat vorsehen und über vier Semester laufen – Verlängerung nicht ausgeschlossen. So kann es, wie bei Gehrlein, passieren, dass Hilfskräfte fast ihr ganzes Studium mit dem Job finanzieren können. Ein Manko gibt es jedoch: Erstsemester können sich, bis auf wenige Ausnahmen, nicht bewerben. Gute Noten sind fast Pflicht.

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