Studium : Einheitliche Uni-Zulassung zum Winter

Gemeinsame Fristen, Internet-Börse für freie Studienplätze: Bundesbildungsministerin Schavan einigt sich mit Hochschulen auf ein Vorgehen, um das Chaos bei der Zulassung fürs Studium zu beheben.

Tilmann Warnecke

Vertreter von Bund, Ländern und Hochschulen haben sich auf Übergangsregeln geeinigt, mit denen die Zulassung zum Studium zum kommenden Wintersemester vereinfacht werden sollen. Die Hochschulen wollen jetzt an einheitlichen Terminen Zu- und Absagen für Studienplätze verschicken und auf einer bundesweiten Internetbörse frei bleibende Studienplätze anbieten. Bundesforschungsministerin Annette Schavan zeigte sich zuversichtlich, dass alle Hochschulen in Deutschland teilnehmen wollen: „Ich kenne keine Hochschule, die dagegen ist“, sagte Schavan nach einem Treffen mit Vertretern der Hochschulen, der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie der ZVS in Berlin. Auch Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz als Vertreter der KMK zeigte sich optimistisch: „Ich habe heute kein einziges bräsiges Abwehrargument der Hochschulen gehört.“

Es sei auch ein „Konsens“ darüber erzielt worden, welche Anforderungen für das endgültige bundesweite Zulassungssystem in NC-Fächern gelten sollten, sagte Schavan. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, sprach von einer „Selbstverpflichtung“ der Hochschulen mitzumachen. „Wir haben einen gewissen Durchbruch geschafft.“ Die Hochschulen sähen sich „in der Verantwortung, alle Studienplätze zu besetzen“.

Der Terminplan in der Übergangsphase sieht so aus: Bewerbungsschluss soll bundesweit der 15. Juli sein. Zu- und Absagen wollen die Hochschulen Mitte August verschicken. Anfang September können Bewerber auf einer Internetbörse sehen, wo es noch freie Plätze gibt. Für diese Plätze können sie sich direkt bei den Hochschulen bewerben. Wer die Internetbörse technisch betreut, stehe noch nicht fest, sagte Schavan. Die ZVS könne ein Angebot abgeben, es würden auch Modelle aus Baden-Württemberg und aus Hamburg geprüft.

Die Übergangsphase wird mindestens zwei Jahre dauern. Schavan bestätigte jetzt offiziell, dass das neue umfassende Zulassungssystem frühestens zum Winter 2011 eingeführt werden kann, also ein Jahr später als geplant. Ein Lastenheft für die nötige Software sei auf dem Treffen vom dafür zuständigen Fraunhofer-Institut vorgestellt worden. Die Software habe „alle Vorstellungen“ der HRK beinhaltet. Das Verfahren könne sich auf dieser Grundlage zu einem „Zukunftsmodell“ im internationalen Wettbewerb entwickeln, sagte Schavan. Zentral sei, dass es „eine wirkliche Selbstauswahl der Hochschulen geben wird“. „Dezentralität“ müsse mit „Koordination“ einhergehen.

Schavan und Olbertz griffen die ZVS an. Es sei keinesfalls gesichert, dass die Zentralstelle das endgültige Verfahren ausführen werde, sagten beide. „Wenn das Angebot der ZVS nicht überzeugend ist, wird es nötig, einen anderen Anbieter zu suchen“, sagte Schavan. Olbertz sagte, die ZVS müsse sich jetzt „bewegen“, wenn sie die Anforderungen erfüllen wolle.

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