Studium : Kultusminister arbeiten am Bachelor

Weniger Prüfungen, mehr Spielräume im Studium: Der Bachelor soll besser werden. Die Kultusminister wollen sich jetzt auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Amory Burchard
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Masterlich. An der FH Hannover protestierten Studierende zum Semesterbeginn gegen „Bildungsbarrieren“. Foto: dpadpa

Der Bachelor soll besser werden. Das haben Unileitungen und Wissenschaftsminister im Sommer den Studierenden versprochen, die im „Bildungsstreik“ gegen überfrachtete Lehrpläne und Prüfungsstress protestiert hatten. Am heutigen Donnerstag will sich die Kultusministerkonferenz (KMK) in Waren an der Müritz auf eine gemeinsame Strategie in den Ländern einigen. „Wir wollen die Kritik der Studierenden wirklich ernst nehmen, ohne allerdings Bachelor und Master grundsätzlich in Frage zu stellen“, sagt Doris Ahnen (SPD), Wissenschaftsministerin in Rheinland-Pfalz, dem Tagesspiegel. Verbessert werden solle vor allem die Studierbarkeit der Bachelorprogramme.

Welchen Einfluss haben dabei die Länder – angesichts der weitgehenden Autonomie der Hochschulen? In Rheinland-Pfalz etwa sehe die Novelle des Hochschulgesetzes vor, dass Module im Bachelor- und Masterstudium in der Regel nur noch mit einer Prüfung statt mit mehreren Teilprüfungen abgeschlossen werden, sagte Ahnen. Die KMK wolle die Hochschulen zudem auffordern, die Spielräume für die Studiendauer auszuschöpfen und in begründeten Fällen auch sieben- oder achtsemestrige Studiengänge anzubieten sowie einzelne Module nicht starr miteinander zu verknüpfen, sondern Flexibilität zuzulassen. Dies sei Konsens zwischen SPD- und unionsregierten Ländern. Die Curricula der Studiengänge zu entschlacken, sei allerdings Aufgabe der Hochschulen.

Der Hochschulverband (DHV), die konservative Standesvertretung der Professoren, warnt die KMK indes vor „betulicher Nachbesserungsrhetorik“. „Nur durch massives Gegensteuern kann das weitgehend verspielte Vertrauen in den Bologna-Prozess zurückgewonnen werden“, erklärte DHV-Präsident Bernhard Kempen. Der Verband bleibt bei seinen Vorbehalten gegen die Studienreform. Nach einem jetzt vorgelegten Forderungskatalog soll nicht der Bachelor Regelabschluss sein, sondern der Master. Nur er gewährleiste eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Damit künftig statt einem Drittel jeder Studierende zum Master zugelassen werden könne, müssten zusätzliche Stellen geschaffen werden. Dafür benötigten die Hochschulen über die Mittel aus dem Hochschulpakt hinaus zusätzlich drei Milliarden Euro pro Jahr.

Kempen sprach sich erneut dafür aus, die Umstellung von Diplom- in gestufte Studiengänge zu stoppen. Es müsse der Beweis erbracht werden, dass die Reformstudiengänge den herkömmlichen überlegen seien. An der „weltweit anerkannten Marke Dipl. Ing.“ soll ohnehin festgehalten werden, in den Ingenieurwissenschaften müsste der Masterabschluss zugleich als „Diplom“ bezeichnet werden. -ry

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