Studium : Lernen am Patienten

Die Charité erhält fast eine Million Euro für ein bundesweites Lehrzentrum - jetzt soll unter anderem untersucht werden, wie Prüfungen besser gestaltet werden können.

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Besser lehren. Die Charité will Medizindozenten professionalisieren. Foto: dpaZentralbild

Medizinstudierende näher am Patienten ausbilden – das ist eines der Ziele, das ein neues Zentrum für die Lehre in der Unimedizin an der Berliner Charité verfolgt. Für das Projekt, in dem für Medizinfakultäten in ganz Deutschland Lehrformate entwickelt werden sollen, wurde die Charité jetzt in einem mit zehn Millionen Euro dotierten Wettbewerb für die Lehre der Mercator- und der Volkswagenstiftung ausgezeichnet. Die Charité wird fast eine Million Euro erhalten. In dem Wettbewerb gewannen auch die BTU Cottbus, die Unis in Göttingen, Lüneburg, München, Ulm, Aachen, Paderborn sowie die Fachhochschule Bielefeld.

Die Charité sehe die Auszeichnung als Bestätigung ihrer langjährigen Reformbemühungen für das Studium, sagte Manfred Gross, Prodekan für Lehre. Jetzt sollten unter anderem bestehende Programme weiterentwickelt und bundesweit angeboten werden. Als Beispiel nannte Gross ein Projekt, in dem Laien und Schauspieler Krankheitsbilder täuschend echt nachspielen. An diesen Simulationspatienten werden Studierende in Examen geprüft. Dozenten aus ganz Deutschland sollten zudem für das „problemorientierte Lernen“ weitergebildet werden, das Kern der neuen praxisnäheren Studienmodelle in der Medizin ist. Es gehe um die „Professionalisierung des Lehrpersonals“, sagte Gross. Die Charité wolle auch wissenschaftlich untersuchen, wie Prüfungen besser gestaltet werden können. Benannt ist das neue Zentrum nach Dieter Scheffner, dem im letzten Jahr gestorbenen Gründer des praxisnahen Reformstudiengangs der Charité.

Durch den Wettbewerb sollen weitere bundesweite Lehrzentren gefördert werden: In Aachen für das Ingenieurwesen, in Paderborn für die Mathematik. Die anderen Hochschulen wurden für gelungene Bachelor-Studiengänge ausgezeichnet – wie die Cottbuser, die sich mit einem forschungs- und praxisorientierten Modell für Bauingenieure durchsetzten.

Der Wettbewerb ist nicht der einzige für die Lehre. Vor kurzem fiel die Entscheidung in einem ähnlichen Wettbewerb des Stifterverbands und der Kultusminister. Wäre der Lehre mehr gedient, wenn man sich zusammentäte? Nein, die Initiativen seien „komplementär“ zu sehen, hieß es aus der Mercator-Stiftung. Die Mercator-Stiftung ziele auf Veränderungen in Studiengängen, während beim Stifterverband gefragt sei, wie sich eine Uni institutionell aufstelle, damit die Lehre besser werde. Unterdessen kündigte Bundesbildungsministerin Annette Schavan ebenfalls einen eigenen Wettbewerb für die Lehre an. Details etwa über das Preisgeld nannte sie nicht.

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