Studium : Mehr Chancen für Berliner Abiturienten

Neue Härtefallkriterien an Universitäten: Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner will die "Studierchancen" der Berliner Landeskinder verbessern.

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Leichter an die Uni. 30 Prozent der Berliner Abiturienten können hoffen.
Leichter an die Uni. 30 Prozent der Berliner Abiturienten können hoffen.Foto: dpa

Weil die Verfassung die Bevorzugung von Landeskindern verbietet, will Zöllner die Vorabquoten bei der Zulassung zum Studium modifizieren. Dort sollen in Zukunft auch die Berliner Abiturienten berücksichtigt werden, die bei der Zulassung noch minderjährig sind, beispielsweise weil sie in Schnellläuferklassen Abitur gemacht haben: „Diese Schüler, die das Abitur schneller geschafft haben, sollen nicht auf einen Studienplatz in Berlin warten müssen“, sagte Zöllner am Montag dem Tagesspiegel. Betroffen seien „mehrere hundert“ 17-Jährige.

Dafür werde eine zusätzliche Vorabquote eingeführt. Bereits jetzt müssen die Hochschulen mindestens ein Fünftel, höchstens aber drei Zehntel ihrer Studienplätze für Härtefälle reservieren, aber auch für ausländische Studierende oder für Studierende, die schon ein Studium abgeschlossen haben. In die Härtefallquote sollen auch Studienanfänger aufgenommen werden, denen ein Umzug aus sozialen Gründen nicht zuzumuten ist – etwa weil sie kranke Angehörige in Berlin pflegen müssen. Bedingung ist, dass sie länger als vier Semester auf einen Platz in Berlin warten müssten.

Einen Vorteil beim Wettbewerb um freie Studienplätze sollen Berliner auch durch ein neues Zulassungskriterium bekommen: In den Oberstufen sollen „Ergänzungskurse“ zum Thema „Studium und Beruf“ angeboten werden. Entscheiden sich Schüler für diesen Kurs, könnte dies von den Hochschulen bei der Zulassung berücksichtigt werden. Weil die Hochschulen bei der Zulassung aber auch weiterhin eine ganze Reihe von Kriterien miteinander verrechnen, kann Zöllner nicht vorhersagen, in welchem Umfang der Anteil der Berliner Abiturienten dann tatsächlich ansteigen wird.

Eine weitere Maßnahme: Die Hochschulen sollen 1500 Studienplätze schneller als geplant, nämlich schon bis zum Herbst aufbauen. Damit will Zöllner auf den Wegfall der Wehrpflicht reagieren.

Zöllner glaubt nicht, dass die Chancen der Landeskinder auf einen Studienplatz in Berlin „generell“ schlechter geworden sind als noch vor Einführung des fast flächendeckenden Numerus clausus in Berlin im Jahr 2004, sagte er. Während in Berlin die Zahl der Plätze für Studienanfänger in vier Jahren um 8000 auf 28 500 aufgestockt worden sein, sei die Zahl der Abiturienten zurückgegangen: von 17 379 auf 16 400. Von den studierwilligen Berliner Abiturienten hätten im Jahr 2009 immerhin 56 Prozent einen Platz in Berlin gefunden. Allerdings konnte die Verwaltung nicht sagen, wie hoch der Anteil vor Einführung des NCs war.

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