Studium : Rektoren wollen Master ohne Quote

Was die Unis von Bund und Ländern erwarten: Der Bachelor soll nach Auffassung der Hochschulen nicht mehr Regelabschluss sein.

Uwe Schlicht

Kultusminister und Hochschulrektoren reagieren in diesen Tagen auf die Kritik der Studenten an der Bachelor-Master-Reform. Aber in der Gewichtung gibt es beachtliche Unterschiede.

Im Frühsommer hatten Studierende von Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan und von Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (Sachsen-Anhalt) die Zusage erhalten, dass es keine Quoten für den Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium geben solle. Jetzt hat die Kultusministerkonferenz (KMK) jedoch erneut dem Bachelor als erstem berufsqualifizierenden Abschluss „eine Schlüsselfunktion“ zuerkannt. Die Kultusminister sind der Ansicht, dass der Bachelor den Studenten erste berufliche Perspektiven eröffne; nach einigen Jahren in der beruflichen Praxis könnten sie dann zur Weiterbildung an die Hochschule zurückkehren, um dort den Master zu erlangen. Die Länder erwarten von den Hochschulen, dass sie „verstärkte Anstrengungen für den Ausbau entsprechender Studienangebote unternehmen“, erklärte die KMK Ende vergangener Woche.

Die Hochschulrektorenkonferenz setzt die Akzente nun anders. „Die Länder sollten auf die Leitvorstellung des Bachelor als Regelabschluss und des Master als Ausnahme verzichten“, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel am Mittwoch in Berlin. Scharf kritisierte Wintermantel die Praxis vieler Länder, den Zugang zum Masterstudium über knappe Kapazitäten zu regeln. So stünden für die Aufnahme in das Masterstudium vielerorts nur 50 Prozent der Kapazität bereit, die für das Bachelorstudium angesetzt ist. Die Hochschulen erwarteten von der KMK, dass sie in absehbarer Zeit neue Rahmenvorgaben beschließt, in denen ausreichend Kapazitäten auch für den Master vorgesehen sind, sagte Wintermantel.

In diesen Rahmenvorgaben solle auch die Grenze von maximal 300 ETCS-Leistungspunkten für die Kombination von Bachelor- und Masterstudium fallen. Diese Regelung erschwere den Hochschulen die Entscheidung, auch Bachelorstudiengänge mit nicht nur sechs, sondern mit bis zu acht Semestern anzubieten. Außerdem sei die 300-Punkte- Grenze „international unüblich und hinderlich“. An die künftige Bundesregierung appellierte Wintermantel, den erhöhten Betreuungsaufwand für ein Bachelor-Master-Studium endlich anzuerkennen. Die Kosten für diese Aufwertung der Lehre beziffern HRK und Wissenschaftsrat mit 1,1 Milliarden Euro jährlich.

Die Hochschulrektoren haben erneut auch die Föderalismusreform kritisch unter die Lupe genommen. Die gesamtstaatliche Verantwortung des Bundes sei „mehr denn je gefordert“. Ohne die Bundesgelder wären Hochschulpakt und Exzellenzinitiative nicht möglich gewesen. Sorgen machen sich die Rektoren um die staatliche Studienfinanzierung über das Bafög. Sie warnen die künftige CDU/FDP-Koalition, das Bafög zugunsten eines Stipendiensystems einzuschränken oder gar aufzugeben. Weil die Zahl der Studienanfänger pro Jahrgang derzeit steige und weiter erhöht werden solle, müsse die Ausbildungsförderung ausgeweitet und an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Ein von Staat und Wirtschaft getragenes Stipendiensystem für die zehn Prozent der besten Studierenden könne allerdings „ergänzend“ nützlich sein. Uwe Schlicht

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