Wissen : Sturzflug zurück auf den Mond

In der Nacht zu Freitag starten zwei Sonden

Gabriele Chwallek (dpa)
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Mondspion. Die LRO-Sonde umrundet den Erdtrabanten in geringer Höhe. Foto: dpa

Die US-Weltraumbehörde Nasa kehrt im Sturzflug auf den Mond zurück – im wahrsten Sinne des Wortes. Rund 40 Jahre, nachdem die ersten Menschen den Fuß auf den Erdtrabanten setzten, sollen in der Nacht zu Freitag gleich zwei Sonden auf einmal losgeschickt werden, um das Bild vom nächsten Nachbarn im All zu vervollständigen. Damit soll auch eine mögliche neue bemannte Mission bis 2020 vorbereitet werden.

Wie es sich zu einem Jubiläum gehört, geschieht das mit einem Paukenschlag: Denn eine der beiden Robotersonden will die US- Raumfahrtbehörde im Oktober in zwei Teilen auf die Mondoberfläche prallen lassen. Von dieser Kamikaze-Aktion erhofft sich die Nasa Aufschluss über die mögliche Existenz von Wassereis in den stets im Schatten liegenden Kratern an den Mondpolen – wichtig für einen möglichen künftigen lunaren Außenposten.

Dabei ist es mittlerweile gar nicht mehr so sicher, ob es überhaupt zu einer derartigen bemannten Station auf dem Mond kommt.

Denn gedacht war sie als eine Art Sprungbrett für die erste bemannte Marsmission, die Präsident George W. Bush für das Jahr 2037 angekündigt hatte. Sein Nachfolger Barack Obama lässt nun prüfen, ob das gigantische Vorhaben überhaupt die immensen Summen wert ist, die es verschlingen würde.

Aber das ändert nichts an der Begeisterung der Astronomen für die Entsendung des Roboter-Tandems zum Erdtrabanten, denn das Projekt verspricht eine vielfältige Ausbeute. So wird, wenn alles klappt, eine detaillierte dreidimensionale Landkarte vom Mond erstellt. Zugleich könnte damit der Schleier alter Geheimnisse um frühere Mondmissionen gelüftet werden, manche davon aus der Zeit des Kalten Krieges. Wo beispielsweise ist das erste sowjetische Mondauto „Lunochod“ geblieben, das nach einer 322-tägigen Reise plötzlich verstummte.

Die Sonde, die den Mondatlas erstellen soll, heißt „Lunar Reconnaissance Orbiter“ (LRO), ihr Gefährte beim gemeinsamen Start an Bord einer „Atlas“-Rakete in Cape Canaveral (Florida) hat den Namen „Lunar Crater Observing and Sensing Satellite“ (Lcross). Der Orbiter wird der Nasa zufolge nach dem Abheben rund vier Tage benötigen, um den Mond zu erreichen, zunächst in eine elliptische und danach eine kreisrunde Umlaufbahn einschwenken. Nur 50 Kilometer von der Mondoberfläche entfernt soll LRO dann ein Jahr lang mit seinen sieben Instrumenten Daten sammeln, um laut Nasa „eine Rückkehr von Menschen auf den Mond zu ermöglichen“. Die Aufnahmen werden nach den Erwartungen der Behörde bis auf einen Meter genau sein.

Die Mission von Lcross wird kürzer und spektakulärer sein. Der Satellit soll verbunden mit der oberen und dann verbrauchten „Centaur“-Stufe der „Atlas“-Trägerrakete freigesetzt werden und dann zunächst in großer Entfernung Erde und Mond umkreisen, bevor er sich im Oktober in einen permanent im Schatten liegenden Mondkrater stürzt.

Knapp zehn Stunden vor der geplanten Kamikaze-Aktion wird sich das „Centaur“-Raketenteil lösen, um auf einen Pol-Krater zuzurasen. Beim Einschlag erwartet die Nasa eine bis zu zehn Kilometer hohe Staubwolke und darin mögliche Hinweise auf Wassereis in der Tiefe dunkler kalter Kraterregionen, die nie von der Sonne beschienen werden. Eine Raketenstufe als Projektil, das hat es noch nie gegeben. Der Satellit Lcross stürzt sich der Raketenstufe hinterher. Vier Minuten hat er Zeit, im Staubwirbel Wassermoleküle aufzuspüren, um dann wie zuvor das Raketenteil mit 9000 Kilometern pro Stunde auf dem Mond zu zerschellen. Gabriele Chwallek (dpa)

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