''Super-Uni'' : Stille Zustimmung

Wirken Zöllners böse Briefe, beginnen die Uni-Gremien, ihren Widerstand gegen die "Super-Stiftung" aufzugeben? Die HU-Basis lässt ihren Präsidenten gewähren.

Ende Juni hatte der Akademische Senat (AS) der Humboldt-Universität ein Junktim beschlossen: Das Gremium werde die vom Wissenschaftssenator geplante „Super-Stiftung“ unter der „Voraussetzung“ unterstützen, dass „zunächst“ die nötige Erhöhung des Grundetats der HU gesichert ist, hieß es unter Berufung auf den Beschluss der TU.

Gestern machte das Gremium hingegen nicht den Eindruck, auf sein Votum zu bestehen. Die Interpretation von HU-Präsident Christoph Markschies, wonach es sich bei der Erklärung überhaupt nur um ein Junktim „im umgangssprachlichen Sinne“, nicht aber um „ein Junktim im präzisen juristischen Sinne“ handle – die Zustimmung zur neuen Stiftung also auch ohne Zusicherung eines höheren Etats möglich sei – blieb bis auf die Kritik einer Studentin unwidersprochen. Damit scheint der AS der HU auf die Strategie von Markschies einzuschwenken – ein Erfolg, vielleicht auch für den Wissenschaftssenator. Der hatte in der vergangenen Woche die Uni-Präsidenten aufgefordert, ihre Gremien von der Notwendigkeit des baldigen Starts der Stiftung zu überzeugen. Selbst wenn die Senate der TU und der FU auf ihrem Standpunkt bleiben, könnte der Streit noch glimpflich ausgehen: Wenn sich die Vorarbeiten für die Stiftung bis tief in den Herbst hinziehen, könnte bis dahin auch mehr Klarheit über die neuen Uni-Etats herrschen. Alle Beteiligten könnten Gesicht wahren, das Geld für die Forschung könnte fließen.

Der HU-AS nahm am Dienstag auch die Berichte der Arbeitsgruppen entgegen, die das Zukunftskonzept der Uni ausarbeiten sollten. Im Mittelpunkt stehen drei neue integrative Institute: für Lebenswissenschaften, für die Naturwissenschaften in Adlershof und für die Kultur- und Sozialwissenschaften. Der Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme kritisierte, das Konzept für die Lebenswissenschaften sei „mutlos“ und „viel zu eng“. Beteiligt seien nur jene Geisteswissenschaften, die sich auf „der Wallfahrt nach Anerkennung durch die Neurowissenschaften“ befänden. Mehrfach kritisiert wurden Pläne, in den neuen Instituten arbeitende Professoren von der grundständigen Lehre frei zu stellen. Die Studierenden kritisierten auch Überlegungen, wonach Masterstudierende Studienpunkte bekommen sollen, wenn sie Bachelorstudierende unterrichten. Die HU will sich am Wettbewerb für gute Lehre des Stifterverbands und der Länder beteiligen. akü

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