Superuni : So könnte es klappen

MPG-Chef Peter Gruss macht Vorschläge, wie die Super-Uni in Berlin funktionieren könnte

Anja Kühne

Peter Gruss, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, hält es für eine gute Idee, in Berlin eine Tochterinstitution der Universitäten und außeruniversitären Institute für die Spitzenforschung zu schaffen. „Der Grundgedanke ist richtig“, sagte Gruss dem Tagesspiegel zu den Plänen von Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner. „Berlin braucht eine sichtbare Konstruktion, die einen größeren impact hat als die jetzigen Strukturen.“ Prinzipiell könne zwar auch eine einzelne deutsche Universität eine Ausstrahlung wie Harvard gewinnen. Doch das werde sehr lange dauern. Auch würden Universitäten durch schwerfällige Entscheidungsprozesse in den Gremien behindert. Nach der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern sei die von Zöllner geplante Institution nur ein weiterer konsequenter Schritt.

Wie könnte die neue „Superuniversität“, über die Zöllner konkrete Pläne erst im Herbst bekannt machen will, aussehen? Gruss nennt zwei bereits existierende Modelle, die als Vorbilder infrage kommen. Die von Zöllner geplante Doktorandenausbildung könnte ähnlich wie in den 49 International Max Planck Research Schools gestaltet werden: An ihnen sind Max-Planck-Institute und Universitäten beteiligt. Beide Partner finanzieren die Research Schools, auch durch eingeworbene Drittmittel. Die Research Schools verstehen sich als „Zentren wissenschaftlicher Exzellenz“ auf innovativen und interdisziplinären Forschungsgebieten wie Molekularbiologie, Neurowissenschaften, Informatik oder Demografie. Ihr Ziel ist es, gerade ausländische Doktoranden nach Deutschland zu ziehen – zurzeit liegt deren Anteil an den Research Schools bei 60 Prozent.

Promoviert werden die Doktoranden wahlweise an der Heimatuniversität oder der deutschen Universität. Bereits ein Drittel der Promotionen von Doktoranden der Max-Planck-Gesellschaft trage nicht nur den Stempel der Universität, sondern auch den Hinweis auf die International Max Planck Research School – ein „Gütesiegel“, wie Gruss sagte. Während die Doktorandenschulen der MPG zunächst nur für eine Dauer von sechs Jahren eingerichtet werden, würde die neue von Zöllner angedachte Dachinstitution mit ihrer Doktorandenausbildung dauerhaft existieren.

Als Vorbild für eine dauerhafte Kooperation von außeruniversitären Instituten und universitären in der Forschung nennt Gruss eines der fünf Berliner Max-Planck- Institute: das für Wissenschaftsgeschichte. Die MPG richtet gerade für das hier neu entstehende Zentrum zwei selbstständige Nachwuchsgruppen ein. Deren Leiter werden – anders als üblich – zugleich Professoren auf Zeit an der Freien Universität und der Humboldt-Universität sein, nämlich für fünf Jahre. Lehren müssen diese Professoren nur zwei Semesterwochenstunden. Im Gegenzug richtet die FU eine Professur für Wissenschaftsgeschichte ein, die Humboldt-Universität eine Juniorprofessur. Diese Professoren würden in der Forschung eng mit dem MPI kooperieren, die übliche Lehrverpflichtung – neun beziehungsweise sechs Semesterwochenstunden – würde aber nicht reduziert. „Wir hoffen, dass sich auch die Technische Universität langfristig beteiligt“, so Gruss. Auf diese Weise werde Berlin den weltweit größten Forschungsschwerpunkt in der Wissenschaftsgeschichte schaffen.

Würde man mehrere solcher Kooperationen mit mehreren Promotionsschulen vereinen, ergäbe sich daraus vielleicht eine neue Dachorganisation, sagt Gruss – die Superuni. Anja Kühne

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