Synästhesie : Geborene Querdenker

DAS PHÄNOMEN

Dass sich bei manchen Menschen die Sinne vermischen, versuchte der Neurophysiologe Alfred Vulpian bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Wort „Synästhesie“ zu beschreiben. Unter diesem griechischen Begriff versteht man „Miterregung eines Sinnesorgans bei Reizung eines anderen“. Der in den USA arbeitende Neurologe Vilayanur Ramachandran fand heraus, dass bei Synästhetikern Gehirnareale miteinander verdrahtet sind, die bei anderen Menschen völlig voneinander abgeschottet sind. So entsteht eine Vermischung verschiedenartiger Nervensignale.

VERSCHIEDENE FORMEN

So kommt es, dass manche Menschen jedes Mal, wenn sie einen Ton hören, sofort eine bestimmte Farbe dazu sehen. Andere sehen beim Blick auf schwarze Zahlen oder Buchstaben vor ihrem geistigen Auge Farben. Das funktioniert allerdings nicht bei römischen Zahlen, und es kommt so gut wie nie vor, dass Farben die Wahrnehmung von Zahlen hervorrufen. Schließlich gibt es noch Synästhetiker, die auf Klänge mit Geschmacksempfindungen oder auf die Namen der Wochentage und Monate mit Farbempfindungen reagieren.


DAS PASSIERT IM GEHIRN

Der US-Forscher Richard Cytowic hat mithilfe von Hirnscans zeigen können, was im Gehirn von Synästhetikern abläuft. Die Nervenverbindungen zwischen den akustischen und optischen Arealen waren deutlich zu erkennen. Inzwischen weiß man, dass solche Verbindungen bei jedem Neugeborenen angelegt sind. Normalerweise verkümmern sie allerdings im Lauf des Lebens. Die Fähigkeit, seine Sinne auch als Erwachsener zu verknüpfen, wird offenbar vererbt. In manchen Familien kommt Synästhesie nämlich häufiger vor. fuf/dal

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