Technologie : Wasser gewinnen nach Art eines Wüstenkäfers

Deutsche Textilforscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem in trockenen Gebieten Nebel „geerntet“ wird - und zwar deutlich effektiver als das bisher möglich war.

Eckart Granitza
Nebelfänger. Die Spezialtextilien sollen in trockenen Gebieten Wasser aus dem Morgennebel gewinnen.
Nebelfänger. Die Spezialtextilien sollen in trockenen Gebieten Wasser aus dem Morgennebel gewinnen.Foto: ITV Denkendorf

In vielen Weltregionen mangelt es an sauberem Wasser. Eine Möglichkeit sind tiefe Bohrungen, die Grundwasser fördern und entsprechende Leitungsnetze. Doch gerade in abgeschiedenen Siedlungen ist das oft zu teuer. Dort könnten „Nebelfänger“ helfen. Schon länger wird mit feinmaschigen Geweben experimentiert, die Wasser aus der Luft fangen sollen. Die Erfolge waren aber überschaubar. Nun haben deutsche Textilforscher das Verfahren weiterentwickelt, so dass zwei- bis dreimal so viel Wasser gewonnen werden kann, berichten Jamal Sarsour und Thomas Stegmaier vom Institut für Textil- und Faserforschung (ITV) im schwäbischen Denkendorf.

Sie haben dreidimensionale Nebelfänger konstruiert – nach dem Vorbild des Nebeltrinker-Käfers (Onymacris unguicularis) aus der Namibwüste. Er stellt sich morgens mit seinen Hinterfüßen gegen den, in der Namibwüste oft vom Meer kommenden, Nebel und fängt mit seinem Rücken die Aerosoltröpfchen auf. Langsam werden sie größer und fließen dann der Schwerkraft folgend seinen Rücken herunter bis in den Mund.

Möglich wird das durch die hügelige Mikrostruktur des Panzers. Dort bleiben die Nebeltropfen gut haften und rollen dann, wenn sie größer geworden sind, über die Senken einfach ab. Diese dreidimensionale Struktur bildeten die ITV-Forscher nach: mit schlaufenartigen Maschen aus Polyester.

Der Nebelfänger wird ähnlich wie ein Volleyballnetz etwa anderthalb Meter über dem Boden zwischen zwei Masten straff gezogen. Das „geerntete“ Wasser wird in einer Rinne aufgefangen und in einen Kanister geleitet. In Feldversuchen in der Namibwüste und den trockenen Bergregionen Eritreas lieferten die Textilien bis zu zehn Liter Wasser pro Quadratmeter und Tag – Nebelereignisse vorausgesetzt, berichten die Ingenieure. Das sei zwei- bis dreimal so viel wie die bisher bekannten zweidimensionalen Nebelfangstoffe bringen. „Diese haben zudem eine dichtere Struktur, was den Luftwiderstand erhöht“, sagt Jamal Sarsour. Das habe gerade in der Wüste mit ihren starken Stürmen oft dazu geführt, dass die Stoffe einfach zerfetzt wurden.

Die neuen Wasserfänger sollen robuster sein. Womöglich kommen sie schon bald zum Einsatz. Wie das ITV berichtet, haben sich kürzlich zwei Textilfirmen gemeldet, die die Nebelfänger im großen Stil herstellen wollen.

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