Teilchenphysik : LHC: Noch in diesem Jahr sollen Protonen zusammenprallen

Seine volle Kraft wird der Teilchenbeschleuniger aber erst nächstes Jahr entfalten.

Ralf Nestler

Im Large Hadron Collider (LHC) am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf sollen noch in diesem Jahr die ersten Zusammenstöße von Protonen ausgelöst werden. Das sagte Rolf-Dieter Heuer, seit Jahresbeginn Generaldirektor des Cern, am Dienstagabend in Berlin. Der 27 Kilometer lange Teilchenbeschleuniger war am 10. September 2008 in Betrieb genommen worden, musste jedoch neun Tage später wieder abgeschaltet werden. Eine fehlerhafte Lötverbindung war so heiß geworden, dass flüssiges Helium, das zur Kühlung der Hochleistungsmagnete dient, zu kochen begann. Dabei nimmt das Volumen der Flüssigkeit erheblich zu – es kam zu einer Art Explosion, bei der Magnete auf eine Länge von 800 Meter verschoben und teilweise beschädigt wurden.

Die Reparatur wird nach gegenwärtigen Schätzungen 30 bis 40 Millionen Schweizer Franken (20 bis 26 Millionen Euro) kosten. Ein erneuter Start des LHC ist für den Sommer geplant. Bis dahin soll auch jede einzelne der gut 10.000 Lötverbindungen an sämtlichen Magneten im Beschleunigerring mit einer neu entwickelten Technik überprüft werden. "Ich werde den LHC nicht eher anschalten lassen, bevor ich nicht ruhig schlafen kann", stellte Heuer klar. Die gesamte Anlage soll dann schrittweise hochgefahren werden. Ihre maximale Leistung soll sie jedoch erst im nächsten Jahr erreichen. In diesem Jahr soll sie höchstens 70 Prozent ihrer Kraft entfalten.

Indem die Cern-Physiker den Zusammenstoß von Protonen untersuchen, hoffen sie mehr Informationen über den Aufbau der Materie zu erhalten. So könnten die Ergebnisse dazu beitragen, den Zustand des Universums eine Billionstel Sekunde nach dem Urknall zu ergründen.

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