Tenure Track : Neue Wege zur Professur

Auch die LMU München will den vollen Tenure Track: Wenn junge Forscher sich bewähren, sollen sie in mehreren Schritten auf eine W3-Professur auf Lebenszeit aufsteigen. Auf die Juniorprofessur will LMU-Präsident Huber verzichten.

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Wie weiter nach der Promotion. Für die Juniorprofessur wird ein geregelter Tenure Track schon lange gefordert.
Wie weiter nach der Promotion. Für die Juniorprofessur wird ein geregelter Tenure Track schon lange gefordert.Foto: dapd

Es tut sich was bei dem sicheren Weg zur Professur in Deutschland. In den USA ist ein solcher „Tenure Track“ selbstverständlich: Nachwuchsforscher bewähren sich dort zunächst auf einer befristeten Professur, und wenn die Leistungen stimmen, steigen sie automatisch auf eine Lebenszeit-Stelle auf. Vor kurzem hat nun die TU München ein solchen geregelten Aufstieg für 100 Professuren angekündigt. Auch die Münchner Nachbarin, die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), will künftig allen Nachwuchskräften, die auf eine W2-Professur berufen werden, Aufstiegsmöglichkeiten auf eine besser dotierte und unbefristete W3-Professur anbieten, sollten sie sich mit guter Arbeit bewähren.

„Alle Universitäten sind in der Verantwortung, Nachwuchswissenschaftlern verlässliche Karrierewege zu offerieren“, sagt LMU-Präsident Bernd Huber im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Für Wissenschaftler in der Post-Doktoranden-Phase, die es nicht auf eine W2-Professur schafften, will die LMU zudem eine neue Kategorie von Stellen schaffen, in deren Rahmen sie sich für eine Professur an einer anderen Uni empfehlen können.

Ein Tenure Track im Rahmen der W2-Professur gilt an der LMU bereits seit 2005 bei allen Neuberufungen. Junge Forscher erhalten zunächst eine befristete W2-Professur. Nach sechs Jahren wird die Forschung bewertet. Zeigen Wissenschaftler exzellente Leistungen, wird ihre W2-Stelle entfristet. Künftig solle es für Professorinnen und Professoren nach einer weiteren Evaluation auch die Möglichkeit geben, auf eine besser dotierte W3-Stelle aufzusteigen. Das ist ein Teil des Zukunftskonzepts, für das die LMU vor kurzem zum zweiten Mal als „Exzellenzuniversität“ ausgezeichnet wurde.

„Wer eine gewisse Leistung bringt, soll bei uns mit einer sicheren Laufbahn rechnen können“, sagt Huber. Wie an der TU München sei der Einstieg in die Professorenkarriere an der LMU auch ohne Habilitation möglich. „Von den Geisteswissenschaften abgesehen, ist die Habilitation ohnehin in den meisten Fächern nicht mehr die zentrale Qualifikation.“ Juniorprofessuren seien im Nachwuchskonzept der LMU dagegen nicht vorgesehen: „Von der Besoldung her ist die Juniorprofessur für einen Standort wie München, wo die Lebenshaltungskosten hoch sind, unattraktiv.“ Auf einer Juniorprofessur bekommen Forscherinnen und Forscher in Bayern 3889 Euro brutto im Monat, auf einer W2-Professur ein Grundgehalt von 4501 Euro, was mit Leistungszulagen aufgestockt werden kann.

Zusätzlich will die LMU für Post-Doktoranden „Academic Career Professorships“ schaffen, die ebenfalls einen eigenen Etat und das Promotionsrecht bekommen. Von diesen Stellen sollen sich Nachwuchsforscher „gezielt auf Professuren außerhalb der LMU bewerben“, sagt Huber. Langfristig müssten zudem wieder mehr Dauerstellen für den Mittelbau geschaffen werden. Die LMU wolle jungen Wissenschaftlern auch frühzeitig „Karrierewege außerhalb der Uni aufzeigen“.

Die Politik sieht Huber in der Pflicht, für eine bessere Grundfinanzierung der Unis zu sorgen: „Wir müssen weg von der Projektfinanzierung.“ Daher müsse möglichst schnell das Grundgesetz geändert werden, um dem Bund eine dauerhafte Finanzierung von Hochschulen zu ermöglichen. Es müssten jetzt die Weichen dafür gestellt werden, wie es nach dem Auslaufen der Exzellenzinitiative im Jahr 2017 mit der Wissenschaft in Deutschland weitergehe.

Bei einer Bundesförderung sollte nicht nur die Forschungsleistung, sondern auch Gesichtspunkte wie exzellente Lehre oder der Regionalbezug einer Uni eine Rolle spielen. „Man wird auch andere Hochschulen als die Exzellenzuniversitäten berücksichtigen müssen.“ Insgesamt sieht Huber die Gefahr, dass die Politik an Hochschulen zu viele Forderungen herantrage. „Universitäten sind aber keine Supermärkte, wo jede beliebige Leistung vorgehalten wird.“ Für große Vollunis wie die LMU heiße die Devise, sich auf die Grundlagenforschung zu fokussieren, „wo man nicht sofort erkennen können muss, auf welche Anwendung es später mal hinausläuft.“ Tilmann Warnecke

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