Wissen : Teufel in Gefahr

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Auf dem absteigenden Ast. Seit 1996 sind 70 Prozent der Tasmanischen Teufel an einem speziellen Tumor gestorben. Foto: AFP
Auf dem absteigenden Ast. Seit 1996 sind 70 Prozent der Tasmanischen Teufel an einem speziellen Tumor gestorben. Foto: AFPFoto: AFP

Obwohl das Beuteltier nur so groß wie ein Fuchs ist, ähnelt es mit seinem pechschwarzen Fell, feuerroten Ohren und einem infernalischen Gestank mittelalterlichen Darstellungen des Teufels. Weil die Sarcophilus harrisii genannte Art seit dem 14. Jahrhundert nur noch auf der zu Australien gehörenden Insel Tasmanien lebt, wird das Tier meist Tasmanischer Teufel genannt. Seit 1996 fielen zahlreiche Individuen Tumoren zum Opfer, die von Tier zu Tier übertragen wurden. Diese Krebsepidemie trifft zwar keine anderen Tiere, droht den Beutelteufel aber auszurotten. Überleben könnte die Art wohl nur aufgrund einer Besonderheit des Immunsystems einiger weniger Vertreter. Das schreiben Hannah Siddle von der Universität Sydney und ihr Team in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“.

Bisher schien sich die Krebserkrankung rasant auszubreiten und tötete die erkrankten Tiere innerhalb weniger Monate. 70 Prozent der Beutelteufel sind ihr bereits zum Opfer gefallen. Stirbt der Tasmanische Teufel aus, könnte das für die Natur der Insel fatal sein. Die Tiere ernähren sich meist von Aas, das sie mit Haut, Knochen und Haaren verschlingen. Damit sind binnen kurzer Zeit auch Krankheitserreger weg, die sonst auf andere Tierarten überspringen können. Fehlt diese Gesundheitspolizei, könnten sich also Krankheiten besser ausbreiten.

Genau das befürchten Naturschützer, seit vor 14 Jahren der erste Beutelteufel mit auffallenden Tumoren im Gesicht entdeckt wurde. Dieser DFTD (Devil Facial Tumour Desease) genannte Krebs beginnt mit Schwellungen um das Maul des Tieres und breitet sich von dort am Kopf und im Nacken aus. Wird der Tumor zu groß, können die Tiere nicht mehr fressen und verhungern. Oft bilden sich auch Tochtergeschwulste in den Organen, deren Versagen dann zum Tod führt.

Für die Art verhängnisvoll ist die rasche Ausbreitung der Krankheit. Die Tiere stecken ihre Artgenossen an. Das geschieht aber nicht durch Viren oder andere Erreger, die solche Tumoren hervorrufen können. Vielmehr beißen sich die männlichen Beutelteufel häufig bei Rangkämpfen, an DFTD erkrankte Tiere übertragen dabei Krebszellen auf den Rivalen.

Bei anderen Tierarten werden so übertragene Krebszellen sofort von der Körperabwehr erkannt und vernichtet. Immunologen kennen die Mechanismen dieser Abwehr recht gut: Alle Zellen von Wirbeltieren haben auf der Oberfläche Proteine, die mit „MHC“, der englischen Abkürzung von Haupt-Histo-Kompatibilitätskomplex, bezeichnet werden. Diese MHC unterscheiden sich zwischen fast allen Individuen einer Art deutlich. An diesen fremden MHC-Proteinen erkennt das Immunsystem meist die Zelle eines anderen Individuums sofort und vernichtet sie. Deshalb lassen sich auch Organe nur schwer von einem Menschen zu einem anderen übertragen. Gleichzeitig verhindert diese Reaktion auch, dass Tumoren von einem Individuum auf das andere übertragen werden.

Die MHC-Proteine der Tasmanischen Teufel jedoch sind sich sehr ähnlich. Weshalb das so ist, weiß niemand. Als die Forscher nachwiesen, dass alle krebskranken Teufel einen identischen Tumor mit denselben MHC-Proteinen hatten, waren die Zusammenhänge klar: Das Immunsystem eines gebissenen Tieres erkannte die übertragenen Tumorzellen nicht und war dem Krebs schutzlos ausgeliefert.

Normalerweise haben die Zellen der Tasmanischen Teufel im Nordosten der Insel jeweils eine sehr ähnliche Mischung zweier MHC-Typen, fanden Siddle und ihre Kollegen jetzt heraus. Für diese Tiere erwies sich der ansteckende Krebs bisher als tödlich, weil die Tumoren genau die gleiche MHC-Mischung haben.

Im bisher noch nicht von der Epidemie betroffenen Nordwesten aber hat jedes fünfte Tier entweder nur den MHC-Typ 1 oder Typ 2. Das Immunsystem dieser Tiere sollte daher Zellen des DFTD-Tumors mit beiden MHC-Typen bekämpfen, von denen einer zwangsläufig fremd ist, schreiben die Wissenschaftler. Ob diese Theorie stimmt, dürfte sich bald zeigen: Die Epidemie erreicht gerade eine Region, in der wenige Teufel mit nur einem MHC-Typ leben. Roland Knauer

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