Wissen : Teure Ambulanzen der Charité Der Unimedizin droht ein Millionendefizit

Die Ambulanzen der Berliner Hochschulmedizin sind defizitär. Das geht aus einer Aufstellung des kaufmännischen Leiters der Charité, Christoph Krukenkamp, für die Senatswissenschaftsverwaltung hervor. Danach könnten die Ambulanzen bis 2008 einen Verlust von 13,1 Millionen Euro bringen. Der Bericht, der bereits im Mai vom Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses besprochen wurde, sei allerdings inzwischen überholt, sagte Krukenkamp gestern dem Tagesspiegel. Das Defizit werde jetzt auf höchstens 6,5 Millionen Euro seit 2004 prognostiziert. Die in dem Bericht erwähnte mögliche Schließung einer der 91 Hochschulambulanzen wäre eine „letzte Eskalationsstufe“. Schon heute griffen Sparmaßnahmen – ohne Einschränkung der Versorgung.

Die Ambulanzen seien fester Bestandteil der universitären Forschung und Lehre, sagt eine Charité-Sprecherin. Verantwortlich für das Defizit seien vor allem die hohen Kosten für die Nachsorge etwa bei Krebspatienten. Im Quartal bekämen die Ambulanzen lediglich 66 Euro pro Fall, das sei nicht kostendeckend.

Zu den Sparmaßnahmen gehöre die Zusammenlegung von Rezeptionen, sagt Krukenkamp. Personal und Leistungen würden nun „richtig zugeordnet“: In Ambulanzen, in denen klinische Studien laufen, könne vieles aus Drittmitteln bezahlt werden. Auch seien viele Fälle, die bislang in den Ambulanzen gehandelt wurden, besser in den Medizinischen Versorgungszentren der Charité aufgehoben. Dort könnten die Mediziner wie niedergelassene Ärzte abrechnen. Aus der Senatsverwaltung hieß es gestern, der Vorstand der Charité „muss dafür sorgen, dass das Defizit geschlossen wird“ – durch eine neue Struktur der Ambulanzen.

Dass die ambulanten Leistungen der Universitätsklinika „endlich adäquat vergütet werden“ sollten, hat 2005 auch der Wissenschaftsrat gefordert. Defizite seien weitverbreitet: 2001 hätten die Ambulanzen bundesweit eine Kostenunterdeckung von 69 Prozent gehabt. -ry

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