Teures Forschungsflugzeug : "Sofia" in Turbulenzen

Die Nasa will sparen: Nach nur drei Jahren droht dem fliegenden Observatorium jetzt das Aus. Davon sind auch deutsche Wissenschaftler betroffen.

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Flieger mit Aussicht. Die Boeing 747 hat im Heck ein Infrarotteleskop. Foto: Nasa
Flieger mit Aussicht. Die Boeing 747 hat im Heck ein Infrarotteleskop.Foto: Nasa

Das Spezialteleskop „Sofia“ (Stratospheric Observatory für Infrared Astronomy) wurde konstruiert, um von einem umgebauten Jumbojet aus ungestört den Nachthimmel zu erkunden. Nach Investitionen von 1,25 Milliarden Dollar und drei Jahren Betrieb droht nun praktisch das Aus für das amerikanisch-deutsche Gemeinschaftsprojekt. Gemäß des aktuellen Haushaltsentwurfs der Nasa für 2015 wird die US-Raumfahrtbehörde den Zuschuss von 84 Millionen Dollar auf 12 Millionen herunterfahren.

Deutschland übernimmt 20 Prozent der Kosten - bisher

Die Unterstützung für 35 bereits geplante Missionen wird zugesichert, mehr aber nicht. Sollte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seinen Anteil von derzeit 20 Prozent an den Betriebskosten nicht spürbar erhöhen beziehungsweise keinen weiteren Partner finden, der einspringt, muss das Observatorium am Boden bleiben, heißt es von der Nasa. Sofia habe bisher gute Arbeit geleistet, sagte der Nasa-Administrator Charles Bolden, aber er habe sich entscheiden müssen.

„Wir sind völlig überrascht und geschockt“, sagt Dörte Mehlert vom Deutschen Sofia-Institut in Stuttgart. „Aber es besteht die Chance, dass es – mit einigen Abstrichen – doch weitergeht.“ Sie setzt auf Verhandlungen zwischen Nasa und DLR sowie auf Lobbyarbeit in den USA, denn der Haushaltsentwurf müsse noch vom Kongress beschlossen werden.
Erfahrungsgemäß hat es die Grundlagenforschung in der Öffentlichkeit aber schwer. Zudem gibt es starke Konkurrenz durch den teuren „Hubble“-Nachfolger, das James-Webb-Space-Telescope, das 2018 in Betrieb gehen soll. Auf der anderen Seite sollte Sofia bereits 2006 gestrichen werden – und konnte dann doch „gerettet“ werden.

Zwangspause ab Juni in Hamburg

Selbst wenn das jetzt erneut gelingt, wird es nicht lange dauern, bis die nächste Kürzung droht. Sofia ist für eine Laufzeit von 20 Jahren konzipiert: Wer den Flieger stilllegt, hat viel Geld für andere Vorhaben übrig.

Das DLR teilte auf Anfrage mit, dass es derzeit mit mehreren internationalen Partnern Gespräche führe, um das Observatorium langfristig einsatzfähig zu erhalten. Von Juni bis Oktober muss Sofia ohnehin am Boden bleiben. Dann steht eine planmäßige Wartung des Fliegers bei Lufthansa in Hamburg an.

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