Third Mission : Von Kinder-Unis bis zu Gründerzentren

Unis tun mehr jenseits ihrer klassischen Aufgaben von Forschung und Lehre, als sie selbst wissen. Hochschulforscher raten darum zu besserer Information nach innen und außen

Hannah Seidl
Beliebter Zugang. Archäologie in der „Langen Nacht“ der FU.
Beliebter Zugang. Archäologie in der „Langen Nacht“ der FU.Foto: Bernd Wannenmacher

Universitäten und Fachhochschulen sollen zunehmend Wissen und Forschungsergebnisse in die Gesellschaft vermitteln. Der Wissenstransfer spielt als dritte Aufgabe oder „Third Mission“ neben Forschung und Lehre zudem eine immer wichtigere Rolle für die Finanzierung. Viele Hochschulen sehen sich überfordert – dabei leisten sie bereits jetzt weit mehr als nur Lehre und Forschung.

„Kaum jemand kann exakt benennen, was alles zur Third Mission zählt, aber alle betreiben Third Mission umfangreicher, als sie es selbst vermuten.“ Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Hochschulforschung (HoF) der Universität Halle-Wittenberg in einer Studie, die im aktuellen „HoF-Berichterstatter“ vorgestellt wird. Tatsächlich habe sich an vielen Hochschulen bereits ein breites Spektrum an Formaten des Wissenstransfers etabliert: Dazu zählen Kinder- und Seniorenunis, Fort- und Weiterbildungsangebote, Karriereberatung, Gründerzentren oder die Lange Nacht der Wissenschaften. Die Third Mission würde sich jedoch an den meisten Hochschulen spontan und nicht systematisch entwickeln, schreiben die Experten. Dahinter stehe zum größten Teil individuelles Engagement. Viele Projekte seien nur auf Institutsebene angesiedelt.

Die Third Mission sollte systematisch kommuniziert werden

Das HoF hat ein Konzept entwickelt, das Hochschulen dabei helfen soll, Transferprojekte zu identifizieren und weiterzuentwickeln: Die Third Mission liegt demnach zwischen den Kernaufgaben der Universität und Aufgaben, die davon inhaltlich entkoppelt sind. Sie erfüllt gesellschaftliche Bedürfnisse, die Forschung und Lehre nicht abdecken. Und sie ist zumindest lose an Lehre und Forschung an der Universität angebunden. Unterschieden werden drei Bereiche: Weiterbildung, Forschungs- und Wissenstransfer sowie gesellschaftliches Engagement der Hochschulen.

Die Experten des HoF kritisieren, dass die Third Mission bislang nicht systematisch kommuniziert werde. Bislang informierten die Hochschulen die Öffentlichkeit in sozialen Medien oder in Uni-Zeitungen nur über einzelne Projekte. Das HoF empfiehlt darüber hinaus eine „Third-Mission-Bilanz“, die das gesellschaftliche Engagement der Hochschulen stärker sichtbar machen und letztlich „Legitimitätsgewinne“ bringen soll. „Macht sich eine Hochschule erst einmal die bereits laufenden Aktivitäten bewusst, verliert die Third Mission auch als politische Anforderung jeden Schrecken“, heißt es.

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