Tierwelt : Warum hüpfen Kängurus?

Die Meister unter den Kängurus übertreffen im Weitsprung die Zehn-Meter Marke. Ihre enorme Sprungkraft basiert nicht nur auf ihrer Muskelkraft.

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Manche Kängurus springen über zehn Meter weit. Forscher der Uni Münster haben die Ursprünge der Kängurus rekonstruiert.
Manche Kängurus springen über zehn Meter weit. Forscher der Uni Münster haben die Ursprünge der Kängurus rekonstruiert.Foto: dpa

Auf einem Springstock oder Pogostab durch die Gegend zu hüpfen, erfordert einen guten Gleichgewichtssinn und einige Übung. Die Sprungfeder verwandelt elastische Energie in Bewegungsenergie. Große Sprünge erlaubt dieses technische Hilfsmittel jedoch nicht. Kängurus kommen viel weiter. Dabei basiert auch ihre enorme Sprungkraft auf dem Pogostabprinzip und ihrer Muskelkraft.

Muskeln gewinnen ihre Kontraktionsenergie aus einem chemischen Prozess. Für meterweite Hüpfer reicht diese Energie auf Dauer nur, wenn sie wiedergewonnen und gespeichert werden kann. Ein Känguru geht sparsam damit um. Anstelle einer Feder übernehmen dünne, elastische Sehnen in seinen Hinterbeinen die Speicherung. Sie sind länger als die Muskelfasern und können von Landung zu Landung mehr Energie konservieren. Während sich das Känguru wie eine zusammengedrückte Feder an den Boden presst, dehnen sie sich. Dann schnellen sie plötzlich zurück. Die Muskulatur muss dadurch weniger Arbeit verrichten, das Känguru schwitzt weniger.

Die Meister unter den Kängurus übertreffen im Weitsprung die Zehn-Meter-Marke. Das Springen lohnt sich aber erst bei höherem Tempo. So ist es energetisch günstiger für Kängurus, sich mit 20 Kilometern pro Stunde hüpfend fortzubewegen als mit fünf. Bei ruhiger Gangart hoppeln sie auf allen vieren.

Jürgen Schmitz von der Uni Münster hat die Ursprünge der australischen Kängurus rekonstruiert. Ihrem Genom nach zu urteilen sind das kleine Wallaby oder Rote Riesenkänguru ganz eng mit anderen Beuteltieren wie den Koalas verwandt. Sie alle stammen von einem Ur-Beuteltier ab, das wohl von Südamerika nach Australien eingewandert ist.

Die Beuteltiere waren zunächst Baumbewohner und womöglich dem im Regenwald beheimateten kleinen Moschusrattenkänguru ähnlich. Erst mit der Ausweitung der Steppen entstanden größere Känguruarten. Man fand Überreste von drei Meter hohen Riesen.

Forscher rätseln nach wie vor darüber, was ihnen auf die Sprünge half. Kängurus müssen weite Strecken zu Wasserquellen und Weidegründen zurücklegen. Auf dem zunehmend trockenen Kontinent könnte das energiesparende Hüpfen, verbunden mit einem niedrigen Wasserbedarf ein Überlebensvorteil gewesen sein.

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