Wannichen : Wildnis erobert den Tagebau zurück

Bei Wanninchen entsteht ein neues Naturparadies. Die Bergbaufolgelandschaft hat beinahe mystische Ecken zu bieten.

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In Wanninchen finden Uferschwalbe und andere Vögel neue Nistplätze. Foto: HSS Foto: Heinz Sielmann Stiftung (HSS)
In Wanninchen finden Uferschwalbe und andere Vögel neue Nistplätze. Foto: HSSFoto: Heinz Sielmann Stiftung (HSS)

30 Jahre lang, von 1961 bis 1991, haben hier Bagger auf der Suche nach Braunkohle Natur vernichtet, das Unterste zuoberst gekehrt, bis in eine Tiefe von 40 Metern. Wo früher Wälder und Teiche waren, zeigte sich vor rund 20 Jahren eine zerfurchte kahle Mondlandschaft – der Braunkohletagebau in der Niederlausitz hatte in den Schlabendorfer Feldern seine Spuren hinterlassen. Die Gestalt der Landschaft war zerstört, der Wasserhaushalt gestört, das Dorf Wanninchen verschwunden – bis auf das Haus, in dem heute das Heinz-Sielmann-Naturparkzentrum untergebracht ist. 1996 wurde vom Landkreis Oberspreewald-Lausitz ein Teil des Gebietes unter Naturschutz gestellt. Die Heinz-Sielmann-Stiftung begann Land zu erwerben, um der Natur eine zweite Chance zu geben.

„Mein Mann hatte es stets vorausgesagt, dass die Selbstheilungskräfte der Natur sich hier kraftvoll entfalten würden. Darum entschlossen wir uns im Jahr 2000, zunächst 770 Hektar mit Hilfe unserer Stiftung zu erwerben. Dies war die Geburtsstunde der Sielmann Naturlandschaften“, schreibt Inge Sielmann, heutige Stiftungsratsvorsitzende. Mittlerweile gehören ihr 3300 Hektar Fläche. Und die Natur kommt zurück.

Als der Abbau der Braunkohle beendet war, stieg allmählich wieder der Wasserspiegel. Das Grundwasser füllte die Löcher – kleine Seen und Feuchtgebiete entstanden und die ersten Tiere kehrten zurück, Sandohrwurm und Sandschrecke. Sie lieben Wärme und gelten als Pioniere in der Wiederbelebung. Auch die neuen flachen und warmen Teiche boten vielen, auch seltenen Tieren ein neues Zuhause, etwa die Kreuz- und Wechselkröte und auch die Rotbauchunke. Flussregenpfeifer und Wiedehopfe kehrten zurück, und Kraniche und Wildgänse rasten hier gerne auf ihren weiten Reisen im Frühjahr und Herbst.

Die Stiftung greift nicht ein in das Geschehen, sondern überlässt die Natur sich selbst. So entsteht allmählich aus der öden Brache ein neues Naturparadies, die Landschaft wird grüner und auf den trockenen Sandböden gedeiht die gelbe geschützte Sandstrohblume wunderbar. Da es in einem gefluteten Tagebau immer wieder zu Verrutschungen kommen kann, müssen bestimmte Bereiche der Ufer gesichert werden, damit die neu entstandenen Gewässer nicht zugeschüttet werden.

Mit einem Schäfer vor Ort wurde eine Vereinbarung getroffen: Seine Schafe pflegen die wertvollen Streuobstwiesen.

Wer sich über die Arbeit in Wanninchen informieren will, ist im Heinz-Sielmann-Naturparkzentrum Wanninchen bei Grölsdorf willkommen. Es ist von April bis Ende Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr, sonst werktags von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

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