• Tsipras nimmt Zwangsexmatrikulationen zurück: Griechische Studis dürfen wieder ewig studieren

Tsipras nimmt Zwangsexmatrikulationen zurück : Griechische Studis dürfen wieder ewig studieren

Die neue Athener Regierung unter Alexis Tsipras hebt eine weitere Reform auf: Die Zwangsexmatrikulationen von fast 155 000 Langzeitstudenten werden zurückgenommen. Diese dürfen wieder so lange studieren wie sie wollen.

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Proteste gegen Bildungsreformen in Athen im Winter 2014.
Proteste gegen Bildungsreformen in Athen im Winter 2014.Foto: Imago

Vangelis Konstantopoulos ist mit seiner Wahl zufrieden. Am 25. Januar hat er für das Linksbündnis Syriza gestimmt. Jetzt freut sich der 30-Jährige auf sein Wahlgeschenk: Er bekommt den Studienplatz an der Athener Universität zurück, den man ihm Ende 2014 abgenommen hatte. Vangelis kann weiterstudieren. „Ich bin jetzt im 23. Semester“, sagt der Grieche stolz.

Fast jeder dritte hat die Regelstudienzeit weit überschritten

Kein Einzelfall. Nach einer Erhebung vom vergangenen Jahr gab es damals an den griechischen Hochschulen 178 458 Studenten, die ihre Regelstudienzeit weit überschritten hatten – keine kleine Zahl, gemessen an den insgesamt rund 600 000 griechischen Hochschülern. Manche von ihnen studieren bereits seit 15 oder 20 Jahren. In Griechenland nennt man sie die „ewigen Studenten“. Die meisten von ihnen haben allerdings seit vielen Jahren keinen Hörsaal mehr von innen gesehen. Dass es unter ihnen fast keine Frauen gibt, hat gute Gründe: Die meisten „ewigen Studenten“ bleiben eingeschrieben, um nicht zum Wehrdienst zu müssen.

155 000 wurden zwangsexmatrikuliert

Vergangenes Jahr beschloss dann der damalige Bildungsminister Andreas Loverdos, reinen Tisch zu machen. Ein neues Gesetz bestimmte: Die Regelstudienzeit, die je nach Fakultät acht bis zwölf Semester beträgt, darf künftig um höchstens vier Semester überschritten werden. Wer danach noch immer keinen Abschluss schafft, muss die Uni verlassen. Fast 155 000 Dauerstudenten wurden so zum Jahresende zwangsexmatrikuliert. Weitere 24 000 bekamen eine letzte Frist, doch noch einen Abschluss zu machen. Sie sollte am 30. April dieses Jahres ablaufen.

Tsipras hat viele Anhänger in der Studierendenschaft

Doch wie so viele Reformen der Vorgängerregierung, will der Linkspopulist und Regierungschef Alexis Tsipras jetzt diese Regelung zurückdrehen. Dimitrios Hassapis, Generalsekretär im Athener Bildungsministerium, versprach diese Woche gegenüber Studentenfunktionären, dass alle Zwangsexmatrikulierungen rückgängig gemacht werden. Die am 30. April ablaufende Frist wird aufgehoben. Auch die Bestimmungen zur maximalen Studiendauer werden außer Kraft gesetzt. Besonders unter der Studentenschaft hat Premier Tsipras viele begeisterte Anhänger. Zur Erinnerung: Er begann seine Karriere als Schulbesetzer und Studentenfunktionär der post-stalinistischen griechischen Kommunistischen Partei.

Der Student Vangelis Konstantopoulos atmet auf: Er hatte gefürchtet, doch noch zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Nun kann er weiterhin „studieren“. Im realen Leben hat der ewige Jurastudent übrigens längst einen Beruf: Er fährt Taxi – schon seit fünf Jahren.

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