TU Berlin : Forschung vor Herausforderungen

Die Leistungsbilanz der TU ist durchwachsen – trotz einiger Glanzlichter

Tilmann Warnecke

Am Ende seiner Amtszeit konnte Kurt Kutzler noch einen großen Erfolg in der Forschung feiern. Kurz vor Weihnachten verkündete die EU, die TU werde federführend am neuen Europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT) beteiligt sein, mit dem Europa dem amerikanischen „MIT“ nacheifern will. Im Bereich Kommunikation soll die TU maßgeblich neue Erfindungen entwickeln, auch bei der Klimatechnologie ist die TU dabei. Solche Anlässe zum Jubeln gab es in Kutzlers Amtszeit nicht viele. Denn die Bilanz der TU in der Forschung und auch in der Lehre ist durchwachsen – zumal im Vergleich zu den beiden anderen großen Berliner Unis.

FORSCHUNG

Wie stark eine Universität in der Grundlagenforschung ist, zeigt sich vor allem am Umfang der Forschungsmittel, die sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einwirbt. Die TU ist hier deutlich zurückgefallen: von Platz 16 im Jahr 1998 auf Platz 27 im aktuellen Ranking. Unter den neun großen deutschen Technischen Universitäten, die sich im Verbund „TU9“ zusammengeschlossen haben, ist die TU Berlin damit die zweitschwächste. Nur das deutlich kleinere Braunschweig liegt hinter den Berlinern. Zum Vergleich: Die FU steht derzeit auf Platz 5, die HU auf Platz 10. Dass die Leistung nachgelassen hat, zeigt sich an den Sonderforschungsbereichen (SFB): Vor einem Jahrzehnt hatte die TU noch acht SFBs, sind es inzwischen nur noch drei.

Am besten schneiden bei der DFG die Naturwissenschaftler ab, während die Ingenieure schwächeln. Glanzlicht ist das Forschungszentrum „Matheon“ der Mathematiker, dessen Sprecher viele Jahre lang Präsidentschaftskandidat Martin Grötschel war. Die Mathematik ist so das einzige Fach, bei dem es die TU unter die Top 3 in Deutschland schafft. Physiker und Chemiker haben einen der drei Sonderforschungsbereiche eingeworben (der zweite kommt aus den Prozesswissenschaften, der Fakultät des anderen Präsidentschaftskandidaten Jörg Steinbach, der dritte kommt aus dem Bereich Verkehrs- und Maschinensysteme). Die Naturwissenschaftler sind auch am häufigsten an SFBs anderer Unis beteiligt. Nicht zuletzt waren es Mathematiker und Chemiker, die für die TU Erfolge in der Exzellenzinitiative erzielten. Die Chemiker warben einen großen Forschungscluster ein, die Mathematiker eine Graduiertenschule. Allerdings ist auch die Bilanz im Elitewettbewerb die schwächste unter den drei großen Berliner Unis.

Die TU argumentiert, für eine Technische Universität zählten nicht nur die DFG-Mittel. Da eine TU eng mit der Wirtschaft kooperiere, sei auch das Geld entscheidend, das von Unternehmen kommt. Bei den Wirtschaftskooperationen haben vor allem die Elektrotechniker und Informatiker Erfolge vorzuweisen, also der Bereich, der jüngst mit dem EIT reüssierte. Diese Forscher haben Labore mit der Telekom und mit Daimler aufgebaut. Insgesamt kamen gut zwanzig Prozent der von der TU im vergangenen Jahr  eingeworbenen 88 Millionen Euro Forschungsmittel von der Wirtschaft. Allerdings sind auch bei den Drittmitteln der Wirtschaft andere TUs wie Aachen und München deutlich besser.


LEHRE

Trotz Anstrengungen in den vergangenen Jahren liegt in der Lehre an der Technischen Universität noch einiges im Argen. So führt die TU laut dem aktuellen Leistungsbericht des Berliner Senats nur 57 Prozent ihrer Studierenden erfolgreich zum Abschluss. Die HU und die FU sind deutlich besser, an der HU liegt die Erfolgsquote bei 79 Prozent. Die TU hinkt auch bei den Studierenden in der Regelstudienzeit hinterher: Während es an HU und FU gut die Hälfte der Studierenden schaffen, ihr Studium in der Regelstudienzeit zu beenden, liegt der Anteil an der TU bei nur 40 Prozent. Diese vergleichsweise bescheidene Quote stellt dennoch einen Aufschwung dar, wie ein Vergleich mit 2003 zeigt: Damals erreichte noch nicht einmal jeder dritte TU-Student den Abschluss in der Regelstudienzeit. Dass die TU noch nicht das Niveau der beiden anderen Berliner Unis erreicht hat, führt der Senat auch darauf zurück, dass die TU später als HU und FU ihre Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt hat. Im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) werden Lehrkategorien wie die Studiensituation und die Betreuung in allen Fächern der TU fast durch die Bank weg schwach bewertet.

Korrektur:  Urspünglich hieß es in dem Artikel, die Prozesswissenschaften seien an keinem maßgeblichen DFG-Projekt beteiligt - obwohl diese einen SFB  eingeworben haben. Wir haben die entsprechende Stelle im Text berichtigt. Die Red.

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